Teil eines Werkes 
2. Theil (4. - 6. Buch) (1844)
Entstehung
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Viertes Buch: Cardinal Wolſey. 5

Königin allein. Und hier ſtand ſie, ihre ſchlanke, fehlerloſe Geſtalt ſcharf von dem klaren Himmelsblau begränzt. Nichts fehlte an der Vollſtändigkeit des Gemäldes; die großen Bogen⸗ fenſter des Victoria⸗Thurms an der einen Seite, das Ge⸗ länder der Terraſſe an der andern, der Schloßpark im Hinter⸗ grunde. Ein durchſchauerndes Gefühl war es, daß dieſe kleine, einſame Geſtalt die Macht und Majeſtät von Eng⸗ land in ſich ſchließen ſollte und tauſend ſtrebende Phantaſien wurden durch dieſen Gedanken erweckt.

6 Jedoch es war, wie ſchon geſagt, im herrlichen Monat Juni und Schloß Windſor ſah in aller ſeiner Größe auf die waldige Pracht und die zwölf ſchönen, lachenden Graf⸗ ſchaften innerhalb ſeines Bereichs herab. Ein fröhliches Getümmel regte ſich auf ſeinen Höhen Waffen glitzerten und Banner flatterten auf ſeinen Zinnen und Thürmen, und das Geläute der Glocken, der Lärm der Trommeln und die Fanfaren der Trompeten miſchten ſich mit dem Jauchzen der Menge und dem Donner des Geſchützes.

Mitten unter dem Tumult, trat eine ehrwürdige Pro⸗ ceſſion aus der Dechanei heraus und ging quer über den unteren Hof, der voll von Offizieren und Waffenknechten war, nach dem unteren Thore zu. Grade als ſie dort an⸗ gekommen war, hörte man den Donner eines entfernten Geſchützes und ein antwortender Schuß ward augenblicklich aus den Feldſchlangen des Curfew⸗Thurms abgefeuert, wäh⸗ rend eine breite Standarte mit dem Wappen von Frankreich und England im Hoſenbande eingefaßt und mit dem gekrönten engliſchen Löwen und dem rothen Drachen als Wappenhaltern auf der Veſte aufgezogen wurde. Alle dieſe Vorbereitungen bekundeten die Ankunft des Königs, der nach ſechswöchent⸗ licher Abweſenheit nach dem Schloſſe zurückkehrte.

Obgleich die Nachricht von des Königs Beſuch nur wenige Stunden vor ihm eingelaufen war, ſo war doch alles