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„Sie liebte mich vielleicht,“ fuhr der ehemalige Reitknecht von Bluthaupt fort, deſſen ſtieres Auge ſich ſo weit beſänftigte, daß es ſogar ein zärtliches Gefühl ausdrückte;„ich hörte zu Gott beten und ſie ſchützte mich vor dem Schrecken meiner Nächte.“
Johann lachte hinter ſeinem Glaſe.
„Der alte Narr!“ dachte er.
Laut ſetzte er dann hinzu, indem er ſich ſo gut verſtellte als ſeine zunehmende Trunkenheit ge— ſtattete:
„Recht ſo, alter Kamerad; auf den Gedanken bin ich noch nicht gekommen. Es fehlt Dir eine Frau und wenn Du eine Frau haben willſt, mußt Du Geld haben.“
Als er fortfahren wollte, ließ ſich die Stimme Polyts an dem Schenktiſche hören.
Der„Löwe“ des Temple war bei der dritten Flaſche und er konnte das Wonnegefühl, das er empfand, nicht mehr bergen; er fing an zu ſingen, wie er es bei ſeiner Souverainin zu thun pflegte, denn wer der Favorit einer bedeutenden Frau ſein will, muß auch angenehme Talente beſitzen; ein hübſcher Mann zu ſein reicht nicht aus.
Der Weinſchenk blickte nach dem Tiſche hin und
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er erkannte Johann Regnault. „Sieh! Sieh!“ brummte er vor ſich hin, in—


