28 Unterſchied von Nachtreiſen in verſchiedenen Ländern liegt wohl darin, daß man, je nach Verſchiedenheit des Klima's, mehr oder weniger friert.
Die Leiden und Freuden des Extrapoſtreiſens wechſeln bekanntlich ſo ziemlich mit einander ab, doch ſind die erſteren bedeutend überwiegend, wenn man, wie wir in dieſer Nacht, in keiner eigenen Cquipage reist und deßhalb den Wagen auf jeder Station wech— ſeln muß. Es war ſehr dunkel, nur unſere Cigar⸗ ren, ſo wie die des Poſtillons leuchteten wie große Glanzkäfer durch die Nacht. Der edle Roſſelenker, der, vor uns auf einem Harttraber ſitzend, komiſche Bewegungen machte und mit Beinen und Armen focht, um ſich zu erwärmen, ſah hiebei in ſeiner ro— then, verſchoſſenen Uniform mit dem gewaltigen Hut wie ein hölzerner Harlekin aus, der, an einem Faden gezogen, ſeine Glieder taktmäßig in die Luft hebt. Er hatte ein kurzes ſehr dünnes Mäntelchen umhän⸗ gen, das er beſtändig dahin dirigirte, wo der Wind herblies. Die Peitſche knallte, der Grenadiercapitän fluchte hie und da derb über ſchlechtes Fahren; die Laternen warfen einen zitternden Schein auf die Landſtraße, die großen dunkeln Pappeln ſchienen wie aufgeſchreckte Geſpenſter vorbeizuhuſchen, und bald ſchimmerte vor uns ein Licht— die Station. Alles lag im tiefen Schlaf, und es dauerte lange, ehe
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