Teil eines Werkes 
2. Bd. (1874)
Entstehung
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Liebe zu ihrer Freundin gekränkt, tief gedemüthigt— ja, ſie rettete und ließ mich die ganze Ueberlegenheit ihres klugen Kopfes fühlen. Indem ſie über meine Handlungen den Stab brach und meine Ideale wie elende Götzenbilder in den Staub ſtürzte, rächte ſie ſich in ihrer Weiſe. Ich mußte die Hand ſegnen, die mich ſchlug.“

„Eine ſeltſam peinliche Lage“, bemerkte Ottokar.

„Ich würde auch nicht einen Tag in ihr ausge⸗ harrt haben, hätte ſich mir der ſchmalſte Pfad der Rettung dargeboten. Aber Feinde ringsum; den Thurm verlaſſen, hieß ins Verderben rennen— und wohlver⸗ ſtanden, nicht in die Kugeln und den Tod! Nach der Unterwerfung des Aufſtandes übten die Sieger Gnade, mich erwartete eine Zelle im Zuchthaus, im beſten Falle in einem Gefängniß; Wolle zu ſpinnen, wäre mein Loos geweſen. Da zog ich es doch vor, in der Gewalt meiner ſchönen Tyrannin zu bleiben; endlich mußte mir doch die Stunde der Erlöſung ſchlagen. In der Zwiſchenzeit hätte ich die ſchönſten und tief⸗ ſinnigſten Betrachtungen über Welt und Leben anſtellen können; dieſe ſtarken Mauern, die mich vor den Ver⸗ folgern ſchützten, waren zugleich Kerkermauern, die mich einſchloſſen, wohl im Stande, ernſthafte Gedanken zu erwecken, und auch an Einſamkeit fehlte es mir