Teil eines Werkes 
1. Bd. (1874)
Entstehung
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Schrei um Hülfe, ſie riß die Thür des Thurmes, die wieder in's Schloß gefallen war, ſo raſch ſie konnte auf und war beinahe erſtaunt, den Fremden heil und geſund auf der Wendeltreppe zu ſehen. Durch die weitge⸗ öffnete Pforte ſtrömte die Tageshelle in das Halb⸗ dunkel des öden Raumes; Anna, wie mit einem Glo⸗ rienſchein von den Sonnenſtrahlen umglänzt, hatte für Reinhard einen Augenblick etwas Ueberirdiſches, einer Viſion Aehnliches. Oder ſpielte ihm die Phan⸗ aſie einen argen Streich? Mehr und immer mehr verwandelte ſich das Mädchen am Fuß der Treppe in die Jugendgeliebte; die Augen ſtarr auf ſie ge⸗ richtet, geblendet von dem Sonnenſchein, that er einen Fehltritt, die Stufe ſchwankte und ſich überſchlagend, ſtürzte er hinab.

Nur einen durchdringenden Schrei vermochte Anna auszuſtoßen, ſie war rathlos, betäubt. Zu ihren Fü⸗ ßen lag der Fremde, die ſtolzen, herausfordernden Augen geſchloſſen, mit blutender Stirne. Was ſollte ſie zunächſt thun? Durch den Garten nach dem Hauſe eilen, um Beiſtand zu holen? Bei dem Verunglückten bleiben? Darüber war ſie ſchon niedergeknieet und hatte ſein Haupt von den Flieſen des Bodens erho⸗ ben. Mit ihrem Tuch bemühte ſie ſich, das Blut zu ſtillen; der Erfolg wollte ſich nicht ſogleich einſtellen

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