Teil eines Werkes 
1. Bd. (1874)
Entstehung
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Sie auf dieſem Boden geboren ſind, habe ich das Recht und das Glück, Sie in jedem Sinne als meine Landsmännin begrüßen zu können und zu dürfen. Deshalb geſtatten Sie“— und mit einem kühnen Schwunge ſetzte er über die niedrige Mauer—„es ſpricht ſich gemüthlicher, wenn die alten Steine ſich nicht zwiſchen uns hindernd erheben; Pyramus und Thisbe ſind wir ja nicht.“

Solche Kühnheit brachte das junge Mädchen vol⸗ lends aus der Faſſung und ohne Zweifel würde ſie, mit Zurücklaſſung ihres Strohhutes und ihres Albums, jetzt den vorher verworfenen Fluchtverſuch gewagt ha⸗ ben— in der ſicheren Ueberzeugung, daß er ſie einho⸗ len und anhalten würde, wäre nicht eine plötzliche, merkwürdige Aenderung in dem Fremden vorgegangen. Vorhin hatte er in der liebenswürdigſten und dabei doch überlegenen Weiſe mit ihr geſcherzt, in Haltung und Bewegung, nach ſeiner Kleidung wie nach ſeiner gewählten Sprache ein„Gentleman“— ein Ideal, das für Anna, aus der Lectüre engliſcher Romane er⸗ wachſen, alles Männliche, Ritterliche und Ehrenvolle in ſich ſchloß. Jetzt, ihr dicht gegenüber, verwandelte ſich der Ausdruck ſeines Geſichtes, der Ton ſeiner Stimme. Zum erſten Male ſah er ihr tief in die Augen und durchforſchte ihr Antlitz mit einer ängſtlichen Spannung.