Teil eines Werkes 
1. Bd. (1874)
Entstehung
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hier pflegte er, und ſeine Diener wußten es, eine Zeit vor dem Schlafengehen noch mit Leſen zuzubringen— war er wie mit einem magiſchen Schlage wieder in die phantaſtiſche Welt verſetzt. Sorgfältig geordnet lagen die Briefe, Sendungen und Zeitungen, die wäh⸗ rend ſeiner Abweſenheit eingelaufen waren, auf dem Tiſche; über ihnen ragte auf einem Unterſatz von ge⸗ ſchnitztem Eichenholz der Becher auf.

Der Juwelier hatte Wort gehalten und das Kunſt⸗ werk noch am ſelben Tage dem Käufer geſandt. Wie verwünſchte Karl die Pünktlichkeit des Mannes! In der hellſten Beleuchtung glänzte der Becher; nicht nur die einzelnen Figuren des Reliefs, auch das Blatt⸗ und Arabeskenwerk um Rand und Fuß traten deutlich und ſcharf hervor. Karl fürchtete ſich zuerſt, die Hand darnach auszuſtrecken, als könnte die bloße Berührung ihm ſchon ſchaden und die magiſche Wirkung auch ihn ergreifen. Dann überwand die Luſt und Freude des Kenners, etwas wie Scham über ſeine Angſt, das innere Widerſtreben. Von allen Seiten betrachtete er den Becher; da war das Wappen der Borgia mit der päpſtlichen Tiara darüber und die Jahreszahl 1501. Vielleicht hatte der Becher zu dem koſtbaren Geräth ihres Brautſchatzes gehört, den Madonna Lucretia, die

Tochter des Papſtes Alexanders VI., in jenem Jahre

ihrem dri brachte.

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