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auf einem Irrthum Ihrerſeits beruht, um einen Akt der Freundſchaft handelte, nicht um ein Geſchäft. Von Thaten der Freundſchaft aber iſt man nicht verpflichtet, Rechenſchaft zu geben.“
„Ich muß Ihnen in einem ſehr ſeltſamen Lichte erſcheinen,“ ſagte Leontine darauf und prüfte ihn mit ihrem ſchärfſten Blick,„daß Sie mir eine ſolche Ant⸗ wort geben. Wäre ich mir einer unlauteren Abſicht bewußt, würde ich ſo frei mit Ihnen reden, mein Herr? Begreifen Sie doch, daß nur die zwingendſten Gründe mich zu dieſem Schritte treiben konnten. Ich muß jene Dame wieder auffinden.“
„Muß?“ entſchlüpfte es Karls Lippen. Das Abenteuer fing an, ſeine Neugierde zu ſpannen.
„Ja, muß! Denn mein Sohn iſt wie ein Toll⸗ kopf, wie ein Verzauberter in ſie verliebt—“
„Ahl“
„Und ich will dieſe Liebe nicht dulden!“ Nun hatten ihre grauen Augen den unheimlichſten Blick.„Nicht dulden!“ wiederholte ſie und ſchlug mit der flachen rechten Hand in die linke.
„Aber wenn jene Dame die Neigung Ihres Herrn Sohnes theilt?“ Karl ſtand ſchon im Geiſte auf Sei⸗ ten des unglücklichen Liebespaares und dachte ſich in die edle uneigennützige Rolle eines Beſchützers hinein.


