Teil eines Werkes 
1. Bd. (1874)
Entstehung
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4 6 die Leidenſchaft. Von dem Vater wollten die Leute wiſſen, daß er in jüngeren Jahren die ganze Gewalt und das Verderbliche großer Leidenſchaften an ſich ſelbſt erfahren; was bei ihm geſtanden, hatte er darum gethan, ſie in ſeinem Sohne zu unterdrücken. Der Zufall war ihm zur Hilfe gekommen; Karl blieb das einzige Kind der Che. Er wurde ein verwöhntes Mutterſöhnchen, dabei in ewiger Angſt vor dem ſtren⸗ gen, eiſernen Vater. Wie der Knabe Launen, hatte der Jüngling Neigungen, allein keiner gab er ſich maß⸗ los und unbändig hin. Ueber ſeinem Dichten und Trachten lag es nun einmal wie ein Schleier der Dämmerung. Von übertriebenen Wünſchen hielt ihn ſein Verſtand, von Regelloſigkeit die Kühle ſeiner Sinne zurück; es war nicht ſeine Tugend oder ſein Verdienſt, es war ſeine Art. Was ihn am meiſten quälte und bekümmerte, war die Unthätigkeit und Nutz⸗ loſigkeit ſeines Lebens. Er fand keine Arbeit, die ihn ausgefüllt hätte. Zuweilen fiel es ihm ein, ſich bei der Verwaltung der Gemeinde, am politiſchen Leben zu betheiligen; aber in der großen Hauptſtadt boten ſich ihm nicht ſo leicht, wie er es wünſchte, die Gelegen⸗ heiten dazu. Alles bedurfte der Vorbereitung und in⸗ mitten dieſer Vorbereitungen ſchwanden ihm Wunſch und Ziel wieder aus den Augen.

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