Teil eines Werkes 
1. Bd. (1874)
Entstehung
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So geſchah es. Des Anſtandes halber und weil dabei doch eine Stunde verlief, erſchien Karl Strupp an jedem Vormittage mit dem Glockenſchlag elf Uhr in den Geſchäftszimmern des Hauſes, unterſchrieb, was ihm Herr Moriz Meyer vorlegte und redete mit ihm und mit den älteren Beamten. Da er ein leutſeliger, freundlicher, junger Mann war, von mäßiger Bega⸗ bung, aber weltgewandt durch die großen Reiſen, die er gemacht, die Kenntniß vieler Menſchen und Ver⸗ hältniſſe, die er ſich erworben, zweifelte Niemand in dieſem Kreiſe auch an ſeiner kaufmänniſchen Klugheit und Tüchtigkeit. Er ließ die Dinge gehen, wie das Schickſal und Herr Moriz Meyer es wollten. Mit ſechsundzwanzig Jahren war er äußerlich ſo reich und frei, als er es nur wünſchen konnte. In ſeinem In⸗ nern fühlte er ſich gerade ſo gedrückt und unbe⸗ haglich, wie er es als Knabe, als Jüngling geweſen. Wenn er in einer Abendſtunde auf ſeiner Geige melan⸗ choliſche Weiſen geſpielt, ſeufzte er:Ich wäre der König der Geiger geworden! und war glücklich. Nur einen Augenblick es war ihm, als hörte er hinter ſich ſeinen amerikaniſchen Prinzipal, den alten Morſe, ſagen:Kalkulire, daß Sie ein Narr ſind, Mr. Strupp! Ja, wäre er nur ein ganzer Narr geweſen! Allein auch dazu fehlte dem guten Karl die Willenskraft und