4 „heimlich“ zu widerſetzen. Im Stillen grollte er über die Härte des Vaters, ſein verfehltes Leben und ſein zerriſſenes Herz. Im Uebrigen war er eine zu läſſige, nachgiebige, gutmüthige Natur, um ſich nicht zu fügen. Welche Kämpfe würde es nicht gekoſtet haben, gegen den Willen des Vaters den eigenen durchzuſetzen! Den Verſuch zu wagen, ein Muſiker zu werden, wo jener wollte, daß man das Geſchäft erlernen ſolle— ſtatt der Geige die italieniſche Buchführung! Wie viel Sor⸗ gen, welcher Streit, welche Hinderniſſe— und zuletzt die gute Mutter! hatte ſich Karl geſagt, den Kopf in die Hand geſtützt und war jeden Morgen in das Comp⸗ toir gegangen. Er hatte geſchrieben, gerechnet, die Börſe beſucht, war als Freiwilliger zwei Jahre in einem engliſchen, ein Jahr in einem franzöſiſchen, ein viertes in einem New⸗Yorker Wechſelhauſe geweſen, ein gehorſamer Sohn, und war bei alledem der ſchlechteſte Kaufmann und ein müßiger Träumer geblieben. Das hatte ihm vor ſechs Monaten, bei dem Tode ſeines Vaters, der„Compagnon“ des Hauſes, Herr Moriz Meyer, geſagt und Karl ihm die Hand geſchüttelt: „Einverſtanden, Herr Meyer! Meine“— er kam eben aus New⸗York und hatte noch die amerikaniſche Sprech⸗ weiſe—„daß Sie das Geſchäft ohne mich um ſo beſſer führen werden.“
+
—,—


