die Treue— aber hatte Cöleſtine ſie ihm gelobt? Welch' ein Recht hatte er auf ſie? Der gute Fehmar, er mochte das Jenſeits ſo gründlich kennen, wie die Linien ſeiner Hand oder die ehemaligen Wälle von Sebaſtopol: im Dieſſeits war er ſehr unerfahren. So ſchonend es ging, ſuchte ich ihm den Unterſchied vorzuſtellen, den unſere Sitten, ob mit Recht oder Unrecht, gleichviel, zwiſchen einer Ehe und einer Liebſchaft feſtgeſetzt haben. Derernſte Hintergrund des Ganzen, wenn ich an die Schieß⸗ übungen im Garten dachte, und die Verwunderung, die ſich in Fehmar's Zügen bei meiner philiſterhaften Ausein⸗ anderſetzung ſpiegelte, boten einen ſo drolligen Gegenſatz dar, daß ich an mich halten mußte, um nicht zu lachen. Die Seelenwanderung und die Viſionen beiſeit, was war natürlicher, als daß Cöleſtine einen jungen, muntern, liebenswürdigen und reichen Mann, einem lang⸗ weiligen, alternden, ſchwermüthigen Liebhaber vorzog, der gar keine Anſtalt machte, ſie zu heirathen? Es wurden zwiſchen uns nur wenige Worte darüber ge⸗ wechſelt, denn der Diener brachte einen Brief und Feh⸗ mar bat um die Erlaubniß, ihn leſen zu dürfen— indeſſen ſie genügten mir, um mich zu überzeugen, daß die Tänzerin das Verhältniß mit ihm einzig in der Hoffnung ſo lange fortgeſetzt habe: der vornehme, in den höchſten Kreiſen der ruſſiſchen Geſellſchaft ſich be⸗
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