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blieb ſtehn und lehnte ſich an die kalte, feuchte Mauer. Der Wächter und Kaleb gingen ihr voraus. Sie vernahm Alroy's Stimme. Dieſe war feſt und mild. Ihr Ton kräftigte ſie. Kaleb ſchritt mit einer Fackel voran, und hielt ſie ihr vor die Füße; und als er ſich herabbeugte, ſagte er:„Mein Herr befahl mir, Euch zu bitten, guten Muths zu ſein, denn er iſt es.“
Nachdem der Wächter eine Fackel in die Vertiefung der Mauer geſtellt, entfernte er ſich. Mirjam bat Kaleb außerhalb zu bleiben. Dann faßte ſie alle Kraft zuſammen, und trat in den furchtbaren Raum. Alroy war aufgeſtan⸗ den, um ſie zu empfangen. Das Licht fiel auf ſein Geſicht.
Es lächelte. Mirjam konnte ſich nicht länger halten. Sie
ſtürzte vor und drückte ihn an ihr Herz.
„O meine Theure, meine Geliebteſte!“ flüſterte Alroy; „ſolch ein Wiederſehen nimmt ſelbſt den Gefangenen noch gefangen!“
Aber die Schweſter konnte nicht ſprechen. Sie lehnte ihr Haupt auf ſeine Schulter und ſchloß ihre Augen feſt zu, damit ſie nicht weinten.
„Muth, geliebtes Herz! Muth!“ flüſterte der Gefangene. „O, ich bin ja glücklich!“
— Mein Bruder! o mein Bruder!—
„Hätten wir uns geſtern geſehen, ſo würdeſt Du mich vielleicht etwas verſtört gefunden haben. Heut bin ich aber wieder ich ſelbſt. Seit ich den Tigris überſchritt, entſinne ich mich nicht ſo eine innere Ruhe empfunden zu haben. Ich habe ſüße Träume gehabt, theure Mirjam, Träume voll Troſtes, und mehr als Träume. Der Herr hat mir verziehen, das glaube ich zuverſichtlich.“
— O mein Bruder! Deine Worte ſind voll Troſtes, denn auch ich habe geträumt, und geträumt voll Beruhigung. Seit Deinem Falle iſt mein Geiſt nie ruhiger geweſen.—
„O ich bin ſehr glücklich.“
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