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ihr Wohlwollen nur allmächtiger gemacht. Sie konnte ſich ſelbſt in dieſer ernſten Stunde der ſchärfſten Selbſtprüfung, das reine Weſen konnte ſich bei aller ihrer Beſcheidenheit und Demuth nicht anklagen, daß ſie ihre Unterwerfung gegen Gott, oder ihre Pflichten gegen ihre Nebenmenſchen auch nur einen Augenblick vergeſſen habe.
Wenn ſich aber ihre Gedanken dann wieder zu dem Weſen wandten, von dem ſie ſich eigentlich nie entfernt hatten, und wenn ſie ſeiner gedachte, und ſeines ganzen Lebens, und all' der tauſend Vorfälle ſeiner Jugend, Geheimniſſe für die Welt und nur ihr allein bekannt, die aber die Vorahnung ſeines Ruhmes waren; und wenn ſie nun dachte an alle ſeine herrlichen Eigenſchaften, an all ſeine ſüße Zuneigung, ſeinen Ruhm ohne Gleichen, und das ihn bedrohende Loos; da er⸗ zwangen ſich in ſchweigender Todesangſt ihre Thränen einen Weg über ihre bleichen und ſchwermuthsvollen Wangen. Sie neigte ihr Haupt auf Bathſeba's Schulter, und die ſanfte Beruna drückte ihre bebende Hand.
Der Mond ging unter, die Sterne wurden weißer und bleicher, und einer nach dem andern erloſch. Jenſeits der weiten Ebne des Tigris, dem Schauplatze des hochzeitlichen Prunks, ſchimmerte der dunkel purpurfarbne Horizont von einem glänzenden Streife, weiß und orange. Das feierliche Gebet der Muezzin erſcholl von den Minarets. Jemand klopfte an die Thür. Es war Kaleb.
„Ich bin bereit,“ ſagte Mirjam; und bedeckte einen Augenblick lang ihr Geſicht mit ihrer Rechten. Denkt an mich, holde Mädchen! betet für mich!“
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Auf Kaleb geſtützt, und von einem Wächter, welcher
Fackeln trug, geleuchtet, ſtieg Mirjam die dumpfen, zertrüm⸗
merten Stufen herab, welche in den Kerker führten. Ihre Kräfte verließen ſie, als ſie zu deſſen Thüre kam. Sie
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