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Schande vergafft ſei, und das Haus der Schmach mir ge⸗ falle? Wär' das Leben eine bloße Frage zwiſchen Freiheit und Sklaverei, Ehre und Schmach, ſo könnte jeder leicht entſcheiden. Glaube mir, es gehört nur wenig Geiſt dazu, um ein mürriſcher Patriot in einer elenden Heimath zu ſein, um Deinem Heldenverdruſſe gegen Deine Leidens genoſſen Luft zu machen, deren Kümmerniſſe Du nicht zu lindern vermagſt. Aber Euer Geſchlecht war immer aus ſolchem Stoffe bereitet. Solche Befreier gab's immer eine Menge in dem Hauſe der Alroy. Und was war der Er⸗ folg? Ich fand Dich und Deine Schweſter als verwaiſte Kinder, Euer Scepter gebrochen, Eure Stämme zerſtreut. Der Tribut, den wir jetzt wenigſtens wie Fürſten zahlen, ward damals mit der Geißel eingetrieben und in Ketten dargebracht. Ich ſammelte wieder unſer zerſtreutes Volk, ich ſtellte wieder her unſern alten Thron, und dieſer Tag, auf den Du ſchauſt als auf einen Tag der Demüthigung und der Trauer, mag wohl mit Recht angeſehen werden als ein Tag des Triumphes und der Feſtlichkeit; denn be⸗ weiſt er nicht den Ismaeliten ins Angeſicht, daß der Scep⸗ ter noch nicht entfallen iſt von Jakob?“
— Ich bitte Euch, Oheim, ſprecht nicht von ſolchen Dingen. Ich möchte nicht gern vergeſſen, daß Ihr mein Verwandter ſeid und ein gütiger noch dazu. Laßt uns daher nicht mit einander rechten. Was mein Gefühl betrifft, ſo gilt das gleich. Es iſt nun einmal mein, und ich ver⸗ mag es nicht zu ändern. Was aber meine Vorfahren an⸗ geht, ſo ſcheint doch, wenn ſie auch viele Pläne entwarfen und wenige ausführten, unſere Abkunft eben dadurch rein geblieben zu ſein, und ich bin ihr treuer Sohn. Wenigſtens Einer aber war ein Held.—
„Ah, der große Alroy; Du kannſt wohl ſtolz ſein auf ſolch einen Vorfahren.“
— Ich bin beſchämt, Oheim— ſehr beſchämt.—


