6 Alroy war auch mein Spielgenoſſe in den Tagen der Kind⸗ heit. Und doch will nicht paſſen dieſe zerbrechliche Geſtalt und dieſes mädchenhafte Angeſicht zu den finſteren Leiden⸗ ſchaften und gefährlichen Einbildungen die verborgen liegen, wie ich fürchte, in dieſer zarten Bruſt.... Nun Neffe?“
— Ihr habt mein begehrt, Oheim.—
„Ja, doch Oheime begehren oft, aber die Neffen ge⸗ währen ſelten.“
— Ich wenigſtens kann nichts verweigern; denn ich habe nichts zu geben.—
„Du haſt ein Juwel, welches ſehr begehrt wird.“
— Ein Juwel! Ha! dieſen Kopfſchmuck. Ihr gabt mir ihn, mein Oheim, er iſt der Eure.—
„Ich danke Dir. Manch glühenden Rubin, manch ſanfte und ſchattige Perle und manchen Smaragd, glänzend wie ein Stern in der weiten Wüſte erblicke ich, mein Kind. Es ſind ausgewählte Steine, und doch vermiſſe ich ein weit köſtlicheres Juwel, das, als ich Dir dieſen reichen Schmuck gab, David, ich glaubte, Du beſäßeſt es noch.“
— Und das wäre, Herr?—
„Gehorſam.“
— Dies iſt ein Wort von zweifelhaftem Werthe, Herr: denn gehorchen, wenn Unedles befohlen wird, iſt keine Tugend.—
„Ich ſehe, Du lieſeſt meine Gedanken. Mit Einem Worte, ich ſandte nach Dir, um zu wiſſen, weshalb Du heut Dich nicht an mich ſchloſſeſt, um unſern—“
— Tribut.—
„Ganz recht: Tribut. Warum warſt Du abweſend?“
— Weil es ein Tribut war. Ich bezahle keinen.—
„Wenn nicht der mühſame Lauf von ſiebenzig Wintern das Gedächtniß meiner kindiſchen Tollheiten dennoch mir noch gelaſſen hätte, würde ich Dich für raſend halten, David! Glaubſt du denn, daß, weil ich alt bin, ich in
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