Teil eines Werkes 
3. Bd. (1865)
Entstehung
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Thränen füllten die Augen des Erzbiſchofs, während er die hinwelkende, aber noch immer ſchöne Frau betrachtete.

Als ſie die Zeichen ſeiner Theilnahme bemerkte, ergriff ſie ſeine Hand und küßte ſie.

Biſt Du gefaßt, meine Tochter? redete ſie der Erzbiſchof in ſanftem Tone an.

Ach, verſetzte Livia, es iſt vorbei, ich habe nicht mehr die Kraft, mich zu grämen. Sollte ich denn auch weinen, da ich die Hoffnung habe, daß alle ſeine Leiden nun vorüber ſein werden? Kann ich denn trauern, daß ein ſolches Elend nun zu Ende geht? O, ich habe endlos gejammert, ich habe geklagt, geweint, als ich ſah, daß ſeine Schönheit hinwelkte, daß ſein ſanfter Geiſt durch böſe Menſchen zu einer Grauſamkeit gereizt wurde, die nicht in ſeiner Natur lag. Er war ein Lamm und iſt zum Tiger geworden! ja, ſie haben einen Engel zum Dämon gemacht! Ich habe getrauert, als ich ſah, daß ſein edles Herz ſtündlich immer mehr brach; nun aber, da ich ſehe, daß ſeine Leiden zu Ende gehen, nun bete ich, daß ſeine und meine Erlö⸗

Jungfrau wird mir und ihm gnädig ſein hier und dort.

Der Erzbiſchof verſuchte es nicht, eine ſolche Stimmung zu ſtören.

Livia weinte ohne Unterlaß.

Der Erzbiſchof hatte für dieſe Frau keine gewöhnlichen Troſtworte, war ſie doch ſchon ſelbſt ergeben in ihr Schickſal.

Er reichte ihr die Hand, die ſie wieder an ihre Lippen führte, und ging mit ſchwerem Herzen in die Kirche del Car⸗ mine, betete dort und begab ſich dann wieder in ſeinen Palaſt zurück⸗

Wäre der Geiſt des unglücklichen Maſaniello ſo ruhig hin⸗ geſchieden, als Livia es geglaubt hatte, ſo würde uns die Er⸗ zählung einer grauſamen That erſpart worden ſein und der Ruf des Herzogs von Arcos einen Vertheidiger gefunden haben.

Ungefähr eine Stunde nach dem Abſchiede des Erzbiſchofs wurde Maſaniello unruhig. 8

Ein ſchwarzer Geiſt ſchien um ihn zu ſchweben und ihn mit grinſender Miene anzuhöhnen, wenigſtens wollte er einen ſol⸗ chen erblickt haben.

Heilige Jungfrau! rief er mit herzzerreißender Stimme,

ſung bald und ohne Schmerz erfolgen möge, und die heilige

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