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randez zu wiſſen, jeden Augenblick meines Daſeins trüben, müßte nicht mein ſchönes Neapel mit ſeinen ſonnigen Höhen, ſeinen Weinranken, ſeinen Blüthenfluren und Pommeranzenhainen ſich mir wie ein düſteres Todtengewölbe darſtellen, in dem mich nur Schädel angrinſen, die mich zu verhöhnen ſcheinen? Nein, Leo⸗ nore, für mich giebt es kein Glück, keine Freude mehr auf Er⸗ den, und raſtlos ohne Heimath, ohne Freund, ohne Troſt will ich wandern über Meere und Berge, ja, alle Höhen will ich überſteigen, bis ich endlich an einen Hügel gelangt bin, den ich nicht mehr überſteigen werde, und iſt er noch ſo klein, dort werde ich müde liegen bleiben— da drunter wird man mich betten— die Glocken des Todesdomes haben dann dumpf gehallt, ſie riefen den müden Pilger heim zum langerſehnten Frieden, und er konnte— dem Grabeshügel nicht mehr ausweichen.
Wiederum war Schweigen eingetreten, Giulio hatte ſich auf ein Knie niedergelaſſen.
Die Hand Leonore's aber, die jetzt heftiger in der ſeinen zitterte, hielt er feſt umſchlungen, als wollte er ſie nie mehr von ſich laſſen. 3
Aus Leonore's Augen rannen heiße Zähren, ihr Herz zuckte,
ihre Pulſe ſchlugen fieberhaft.
— O dieſe Hand, nahm Giulio wieder das Wort, ich preſſe ſie ſo heiß in der meinen, und doch wird ſie einem Anderen ge⸗ hören.
— Nur— die Hand— verſetzte Leonore mit dumpfer Stimme.
— Und das Herz?
— Bleibt dem Freunde, dem auch die Seele gehört.
Giulio zog ihre Hand leidenſchaftlich an ſeine Lippen.
— O welch ein Troſt, welche himmliſche Verheißung, rief
er begeiſtert aus, dieſe herrliche, dieſe ſchöne, große Seele ſollte
mir gehören, o welch ein Troſt wird mir durch dieſe heilige Spende, ſchön iſt es, an der Seite der Geliebten durch das Le⸗ ben zu wandeln, wohl ihm, dem dieſe Wonne beſchieden, ſchöner aber iſt das Bewußtſeiu, ihre Seele ſein nennen zu können—
für die Ewigkeit, ja Leonore, laß mich geſtehen, Deine Hand 4 hätte mich beglückt, der Beſitz Deiner Seele aber eröffnet mir
ein überirdiſches Daſein ſchon hienieden— alſo ſie bleibt mein auf ewig?— 40*


