— Was könnte Sie ſonſt veranlaſſen? — Ich kehre nicht dahin zurück, wo mir kein freudiger Sonnenſtrahl mehr lächeln kann.
Ein Ausdruck unbeſchreiblichen Schmerzes malte ſich in den Zügen Leonore's.
— Sind Sie davon überzeugt flüſterte ſie leiſe.
— Prinzeß— meine Mutter fand unter den Trümmern unſeres Palaſtes ihren Tod— meine Schweſter iſt eine Beute des Geſindels geworden, ſie iſt todt, oder lebt in Elend, Ernie⸗ drigung und Schmach, und ach, mein armer Vater iſt das Opfer des Wahnſinns— der Aufenthalt in Neapel alſo kann nur die troſtloſeſten Erinnerungen in meiner Seele wach rufen; nein, nein, ich will gehen, als ein ruheloſer Pilger ziehen über Land und Meer— der Friede iſt aus meiner Bruſt geſchwunden, ich werde ihn nimmer, nimmer finden.
— Giulio, giebt es nichts, was noch in Ihrem Innern lebt? Sollten die Intereſſen des Vaterlandes dem Manne nicht mehr am Herzen liegen, nicht näher berühren, als dieſes die heiligſten Gefühle thuen können?
— Für mein Vaterland werde ich auch in der Ferne wir⸗
ken, in wie weit dies gelingen wird, vermag ich nicht zu ſagen, ja, ich werde Neapel im Herzen tragen, wie das Bild einer Braut, aber ich will es nicht wiederſehen.
— So zieht Sie alſo keine Sehnſucht nach irgend einem Weſen dahin zurück? ſeufzte Leonore. 4
— Ja, Prinzeß, es athmet ein Weſen, das mich mächtig anzieht; ſoll ich es leugnen, daß noch etwas in meiner Seele lebt, das mir eben ſo theuer, eben ſo hoch ſteht, als die Meinen und das Vaterland?— Soll ich leugnen, daß Sie meinen Geiſt und mein Herz unausgeſetzt beherrſchen?— Aber muß ich Ihnen nicht entſagen auf ewig? 8
Ein düſteres Schweigen trat ein; Giulio hatte die Hand der Prinzeſſin ergriffen, die heiß und glühend in der ſeinen zitterte.
— Leonore, nahm er endlich wieder das Wort, gelänge es mir ſelbſt, mein Vaterland zu retten, würde ich es dann in einer glücklicheren Lage wiederſehen, müßten nicht die Erinnerungen an die Meinen, der Anblick der Ruinen meines Ahnenſchloſſes, wie der Gedanke, Sie an der Seite eines Anderen, Imes He⸗


