Teil eines Werkes 
2. Bd. (1865)
Entstehung
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ein Gebet voll Liebe Schmerz und Wonne zugleich.

Endlich erhob er ſich und trat leiſe zu der Jungfrau.

Dieſe, obgleich noch immer der Welt fern, in Andacht ver⸗ ſunken, nur das Bild der Heiligen betrachtend, deren kaltes Mar⸗ morantlitz in gleicher Weiſe auf ſie blickte, wie auf alle Vorüber⸗ gehenden und alle Andächtigen, die ſich mit gepreßtem Herzen ihrem Altar nahen, nahm plötzlich die Nähe des Geliebten wahr, ohne ihn noch geſehen oder vernommen zu haben.

Sie erhob ſich raſch der Mann trat näher, und Leo⸗ nore und Giulio ſtanden einander gegenüber.

Giulio!

Leonore!

Habe ich lange gebetet?

Ich habe die Minuten, die hier dahinfloſſen, nach des Herzens Schlägen gemeſſen, ſie verſchwanden ſchnell, ſchnell auch müſſen wir ſein, Prinzeß, wiewohl ich die Augenblicke Ihnen gegenüber feſſeln möchte für die Ewigkeit, denn ach, es wer⸗ den die letzten ſein, die mir vergönnt ſind, in Ihrer Nähe zu weilen.

Die letzten?

Ja, Prinzeß, ich verlaſſe mein Vaterland und werde es nicht wiederſehen, verſetzte Giulio mit unſäglicher Wehmuth.

Das fürchte auch ich, denn Sie gehen nach Madrid.

Leonore, rief Giulio überraſcht, riethen Sie nicht geſtern noch zu dieſer Reiſe?

Ich that es, Prinz, um Sie durch dieſen Vorwand zur ſchnelleren Flucht aus der Gewalt der gräßlichen Schlächter Neapels zu befreien.

Und nun ſind Sie wieder anderer, Meinung geworden?

Ich ſagte, Giulio, meine Mahnung an Sie, nach Ma⸗ drid zu gehen, war nur ein Vorwand, jetzt ſind ſie frei, ich wie⸗ derhole daher die Warnung, die ich Ihnen gegenüber ſchon im Palaſte Tortoſa ausgeſprochen habe. Sie ſelbſt ſcheinen Ihr Schickſal in Madrid zu ahnen.

Nicht das Loos, welches meiner in Madrid harren könnte, beſtimmt mich zu der Behauptung, daß ich mein Vaterland nicht wiederſehen werde.

Das Opfer von Amalfi.(Bd. II. 20.) 40 5

ſchwieg, und doch waren ſeine Gefühle ſo beredſam, denn es war