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6 Vater, die Thränen eines ganzen Landes fallen ſchwer in die Wagſchale der Tyrannen, wehe ihnen, wenn die Stunde der 3 Rache ſchlägt, die ſich bereits kund zu geben droht! ich ſelbſt
1 war heute Zeuge eines erſchütternden Vorfalles; ein armes Weib wurde, weil ſie die unerſchwingliche Steuer zu umgehen ⸗ ſuchte, mit einer Strafe von fünfzig Ducaten belegt. Als ſie
der Häſcher zu dem Beamten ſchleifte, da hätteſt Du die wüthen⸗ den Blicke, die drohenden Arme, die Flüche der Menge hören ſollen, hätte ich es nicht gehindert, ein Aufſtand wäre vielleicht 1 ſchon heute ausgebrochen. 8 Deer Herzog war nachdenkend geworden und hatte die Blicke
zu Boden geſenkt.
1 Und bei der Noth, die das Land mit ihrem ehernen 8 Joche zermalmt, bei der Armuth des geiſtig und phyſiſch zerrüt⸗ f teeten Volkes, bei dem Jammergeſchrei der Hungernden, hallen
aus dem Palaſte des Duca di Arcos die Freudenklänge der Feſte, die er ſeinen Räthen giebt; der Schlechteſte und Boshafteſte unter dieſen aber iſt dieſer elende Herandez, dieſer Tiger in 9 menſchlicher Geſtalt, und wenn einſt das unausbleibliche Ver⸗
heängniß kommt, ſo kann ich nur den Duca beklagen, er hat ſich mit Schmeichlern umgeben, die ihn in der Ausführung der ge— häſſigſten Grundſätze unterſtützen und die durch Plünderung des
1 Landes ihrer grenzenloſen Verſchwendung um ſo mehr fröhnen er können; ein ſolches Treiben, Vater, muß das Herz eines edlen 12 Neapolitaners, ob hoch oder niedrig geboren, mit Groll und 2* Abſcheu erfüllen. 4 Dieſes Geſpräch wäre noch weiter geführt worden, hätte en nicht ein eingetretener Diener dem Herzog einen Brief über⸗ 1 reicht, welchen er ſogleich erbrach und ihn, nachdem er geleſen,
ſchweigend ſeinem Sohne reichte.
— Schon wieder ein Feſt, ſagte Letzterer mit bitterm Lächeln, pie u dem man uns geladen. — Und welchem wir beiwohnen werden, verſegte der Her⸗
an og mit einer gewiſſen Strenge, indem er auf Giulio einen ge⸗ iſt bieteriſchen Blick heftete; im Uebrigen, fuhr er in milderem Tone et⸗ cort, glaube ich nicht, daß Du da fern bleiben könnteſt, wohin pel Dich Dein Herz zieht. 1e hpe Giulio ſchien äußerſt überraſcht. 2 KAtn
aet— Was meinſt Du, mein Vater? 47


