1 1 b
8
4— Sie hat Seine Majeſtät, den König, betrogen, ant⸗ wort
ete der Häſcher, indem ſte das Zollhaus umging, um nicht die Fruchtſteuer zu bezahlen, es iſt daher meine Pflicht, ihre Früchte mit Beſchlag zu belegen und ſie nach dem Gefängniß zu bringen, außerdem muß ſie, oder einer ihrer Angehörigen eine Strafe von fünfzig Dukaten erlegen.
— Sagt der Mann die Wahrheit, junge Frau? fragte der Cavalier.
— Er ſagt die Wahrheit, Excellenza, antwortete die Ge⸗
fragte, während ihre Thränen reichlicher floſſen, ich bin zu arm,
die hohe Fruchtſteuer zu bezahlen, die wenigen Pfirſiche, wenn ſie wirklich verwerthe, bringen mir kaum die Hälfte der Ver⸗ ſteuerungsſumme ein.
— Wie iſt Dein Name, junge Frau? fragte der Cavalier mit äußerſter Theilnahme.
— Es iſt ein Fiſcherweib aus Amalft, dort ſah ich ſie einſt am Eingange einer Hütte ſtehen, fiel der Häſcher ein.
— Schweigt, bis Ihr gefragt werdet, rief der fremde Herr gebieteriſch dem Häſcher zu, welcher augenblicklich verſtummte; nenne mir Deinen Namen, wendete er ſich wieder zu der jungen
zu.
— Ich heiße Livia und bin die Frau des armen Fiſchers Tomaſo Aniello aus Amalfi.
— Tomaſo Aniello iſt Dein Gatte? ſagte der junge Mann
in wichtigem Tone, und er überläßt Dich dieſer Gefahr?
— Er weiß nicht darum, er würde dieſen Ungeſtümen ſonſt
in den Golf geſchleudert haben, wie einen abgeſtorbenen Fiſch. Wie lange ſeid Ihr vermählt?
— Seit einem Jahre.
— Folge mir zum Zollhauſe, junge Frau, ich werde Dich
von der Strafe befreien, gebt ihr augenblicklich den Fruchtkorb zurück, rief er dann dem Häſcher zu und geht hinter mir her⸗ ich bürge Euch für die Gefangene. Ddieſer Vorfall hatte eine ungeheure Menſchenmenge ver⸗ ſammelt, ein Umſtand, welcher hinderte, daß Tomaſo Aniello, der in ziemlicher Entfernung ſtand, ſeiner bedrängten Prau. zu Hilfe kommen konnte.
Der Pöbel zeigte große Luſt, den Haͤſcher mit einem Stein⸗ *


