Teil eines Werkes 
1. Theil (1810)
Entstehung
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Herz zu drücken. Er iſt nicht mehr der kalte, ernſte, ſtrenge Chriſt: er iſt ein Menſch, voll Nachſicht und voll Liebe; eine Seele will er Gott und ſich ein göttlich Weib gewinnen.

Wie der Landmann ein weiſſes Lamm, vom Dorn verwundet, ſanft zur Hürde trägt, ſo ſchlingt Laſthenes Kymodokae in ſeine Arme, und legt ſie auf eine Bank von Moos am Eingang ſeiner Grotte. Jetzt ſpricht Demodokos Tochter mit bebender Stim⸗ me:

Wirſt du mir verzeihen, daß ich noch einmal dein Geheimniß ſtörte? Ein Gott, ich weiß nicht, welcher, hat, wie in jener Nacht, mich irr ge⸗ leitet.

Kymodokae, entgegnet ihr Eudoros bebend, gleich der Muſenprieſterinn,der Gott, der irre dich gelenkt, iſt mein Gott, mein Gott, der dich ſucht, und dich vielleicht mir ſchenken will.

Homaeros Tochter verſetzt:

Den Jünglingen verbeut dein Glaube, Mäd⸗ chen in der Jugendblüte zu lieben, und den Jungfraun auf den Tritten der Jünglinge zu wandeln; du haſt nur dann geliebt, wenn treulos deinem Gott du warſt.

Kymodokae erröthete, Eudoros rief:

Ich habe nie geliebt, wenn ich gegen meinem Glauben ſündigte. Ich fühle es, ich liebe itzt durch meines Gottes Willen.

Balſam, den man in die Wunde gießt, die frie ſche Quelle, die den muden Wandrer tränkt, iſt wenz⸗