333
Faſt, einſam wie die Sonne ſchwebte der Mond. am Himmel Arkadiens; verſchwunden waren um ihn die Geſtirne im Glanze ſeines Lichts; nur einige flimmerten hie und da in der Unendlichkeit— des Himmelsbogens zartes Blau, mit einigen Sternen nur beſäet, erſchien eine Lilie von Azur, auf der Thauperlen glänzen. Kyllaenaes hohe Gipfel, Pho⸗ löes und Thelphuſſas Rücken, Anemoſas und Pha⸗ lanthos Wälder verſchlangen ſich zum verſchwimmend duft'gen Horizonte. Fernhin hallte das Getön der Waldſtröme und der Quellen, die herab von Arka⸗ diens Gebürgen ſtuͤrzen. Im Thal, wo ſeine Fluten ſchimmern, ſchien Alpheos noch Arethuſa zu verfol⸗ gen; Zephyr ſtöhnte in der Syrinx Schilfen, und Philomaelae ſang in Daphnaes Lorbeern am Alpheos⸗ geſtade.
Dieſe himmliſch ſchöne Nacht erinnerte Kymo— dokae an jene, die dem Jüngling, Endymion dem Jäger ähnlich, ſie zugeführt.
Bei dieſer Erinnrung ſtürmt in ſchnellern Pul⸗ ſen das Herz der Tochter Homaeros: es malt ſich ihr die Schönheit, der Muth, der Adel des Sohnes Laſt⸗ henes, ſie erinnert ſich, daß Demodokos, wenn von Eudoros er geſprochen, zuweilen den Namen „Gatte“ nannte.— Hierokles zu entgehen, ſollte ſie Hymens Wonne miſſen, um ihre Stirne ſollte ewig ſich das eiſigt ſtarre Band der Veſtale ſchlingen? Noch war bis itzt ſo mächtig kein Sterblicher ge⸗ weſen, der gewagt es hätte, ſein Loos an einer


