„Ich brauche nur Vernunft, und dabei ſollſt Du leben und Dich wohl befinden.“ Der Probſt wollte ſich frei machen. Aber Alfhild's Hände ließen ihn nicht lds.
„Mein Vater— mein Vater!“ flüſterte ſie,„be⸗ denke, was Dein Kind jetzt leidet! Gib kein Verſprechen — Du— wirſt— es— nicht halten können!“
„Ja, ich will es geben und halten,“ erwiederte der Probſt entſchieden, und riß ſich mit einer heftigen Be⸗ wegung von ſeiner Tochter los.
Alfhild ſiel der Länge nach zu Boden. In demſel⸗ ben Augenblick, wo der Probſt die Thüre ſchloß, ertönte ein dumpfer Schrei aus der Kammer; aber es war nicht Alfhild's Stimme, es war Onkel Sebaſtian.
Frenkmann trat in den Saal. Seine Stirne war wieder glatt und die Lippe lächelnd; aber die Worte ka⸗ men nicht recht geordnet.„Meine Tochter— die Ueber⸗ raſchung zog ihr einen von den heftigen Nervenanfällen zu, denen ſie oft ansgeſett iſt— und hindert ſie leider
ſelbſ— heute ihre Dankſagung abzulegen. Aber ich hoffe, ſie wird morgen ſo weit hergeſtellt ſein, um einen Beſuch im Schloſſe machen zu können.“ 1
„Nun, will ſie ihn denn haben?“ fragte der Ma⸗ jor, der die Botſchaft nicht ſehr deutlich fand.
„Ei freilich, Herr Major! Davon war gar keine Rede, die Sache verſteht ſich ja von ſelbſt.“
„Hm! das ſehe ich gerade nicht ein! Aber ſie wird es gewiß nicht übel aufnehmen, wenn ich auf einen Au⸗ genblick ſelbſt zu ihr hineinſchaue.“— Und ehe der Probſt noch eine Entſchuldigung hervorſtammeln konnte, daß es ſeiner Tochter unmöglich ſei, Seine Gnaden jetzt zu em⸗ pfangen, war der Major ſchon im Oehrn und öffnete ohne weitere Vorfragen die Thüre zu Alfhild's Zimmer. Aber mit einem:„Allmächtiger Gott! wo haben Sie Ihre Sinne, Herr Probſt?“ ſchob er den beſtürzten Va⸗ ter durch die Thüre, ſchloß ſie zu, und kehrte in den Saal zurück, wo er, unruhig lauſchend und auf ſeine Krücke geſtützt, auf und nieder wankte.
Aber in Alfhild's Zimmer war es ſtille, bis weit
—ö—
*


