242
Einfluß der Engel auf unſer Herz vergeuden. Engel ſind eine Art Weſen, womit ich, wie Du weißt, bisher wenig zu ſchaffen hatte; aber wenn ſie ſich einmal in der Geſtalt eines zarten, blendend weißen Frauenbildes geoffenbart haben, auf deſſen Lippen ſie ihr ſchönſtes Lächeln niederlegten, und in deſſen Augen ein armer Sünder etwas von den Myſterien des Himmels geleſen hat, dann bin ich geneigt anzubeten; aber darüber hinaus habe ich bisher in meiner Verehrung nicht zu kommen verlangt. Und oft beugte ich mich nur aus der Entfernung vor dieſen engliſchen Weſen, die mir zu heilig ſchienen, um ein lebhaftes Intereſſe zu erwecken. Aber wie geſagt, die Landluft— in der Amors dienſtbare Geiſter einen freieren Spielraum für ihre Thätigkeit haben— muß gewiſſe Poren geöffnet haben, die bisher von verdorbe⸗ ner Luft verſtopft waren! Genug, ich glaube feſt, daß ich liebe, und das wahrſcheinlich ſehr gründlich; denn ſolche Gefühle, wie ich jetzt empfinde, haben mich früher nie heimgeſucht. Aber leider iſt der Engel nicht von der barmherzigen Gattung. Sie läßt mich ſeufzen, ſchmachten, hinſchwinden, ja ſterben, wenn ich will, und ſie lächelt nur und ſieht in den Kalender, nach dem Vorwärtsſchreiten der Tage. Armes Kind, ihre Augen ſind noch nicht offen; wie ſchade, daß ſo ſchoͤne Sterne mit dem Staare behaftet ſind! Aber bei meinem Leben, ich will ihr Augenarzt werden und habe ſchon einen vortrefflichen Anfang gemacht. Höre nur! Nachdem meine Umwege und Verſuche, das Herz des Onkels für denſelben Plan zu gewinnen, der mich betheuerte, an ſeinem unbeugſamen Eigenſinn mich nicht verſtehen zu wollen, geſtrandet waren, gab mir mein guter Geiſt den Rath ein, meine Bemühungen vor einer Autorität niederzulegen, deren Ausſchlag, wenn er günſtig fiel, den Weg zu dem Tempel des Glücks, wohin meine Ein⸗ bildungskraft ſchwebte, zu erleichtern, wenn nicht ganz eben zu machen. Du begreifſt wohl, daß ich Madame Liſa, unſere geliebte und geachtete Frau Lindbom, meine.
Vor einigen Tagen entſtand darüber folgendes


