nicht konnte, mit mir theilte; wenn Du endlich wüßteſt, wie ſein Herz an mich als ſeine letzte Freude auf Erden feſtgewachſen iſt, und wie unentbehrlich ich zu ſeinem Wohlſein, ja beinahe zu ſeinem Leben bin— dann, Leiler, würdeſt Du gewiß nicht zürnen, daß ich bei dem Gedanken leide, Alles verlaſſen zu müſſen, was mir ſo lieb und theuer iſt, den Alten einem einſamen Tode überlaſſen zu müſſen, ohne daß die wohlbekannte Stimme ihm das letzte Abendgebet liest, oder die gewohnte Hand ihm den Todesſchweiß von der Stirne trocknet!“
„Ich zürne nicht, geliebte Alfhild,“ ſprach Leiler, gerührt von dem weichen Tone, der zu ſeinem Gefühle ſprach, und den ſanft klagenden Worten, die ihm zum Herzen drangen. Nein, nicht Grimm, meine Theuerſte, nur ein unermeßlicher Neid gegen Alles, was Du mit Liebe umfaſſeſt, entſteht gegen meinen Willen in mir. Es iſt gut, daß ich Dich bald in ein fremdes Land, zu fremden Menſchen führen darf, wo Du nur mich liebſt, wo ich Dein Leben, Deine Welt, Dein Him⸗ mel— Dein Alles bin! Aber ein finſterer, entſetzlicher Gedanke erwacht in meiner Seele, ein Gedanke, der mir bis jetzt nie eingefallen iſt: Würde vielleicht— wenn Du auch körperliche und geiſtige Kraft genug beſäßeſt, um den Abſchied von denen zu ertragen, die Du hier ſo heiß liebſt— würde dieſer Kampf Dir nicht den letzten Reſt Deiner ſchwachen Kräfte rauben? Würde ich nur das welkende Opfer, den bald zum Himmel heimkehrenden Engel in meinen Armen von hier fortführen?“
„O nein, mein Leiler, glaube das nicht! Wohl wird mir der Abſchied Trauer bereiten. Aber Du mußt mit dem erſten Schmerze Geduld haben. An Deiner Bruſt werde ich mich genugſam wieder erholen; von Deiner Liebe, Deiner vorſorglichen Pflege empfange ich eine neue Lebenskraft. Schwebte ich nicht ſchon einmal ſo gutwie am Rande des Grabes und ward durch die Bitten der Liebe wieder erweckt? Gott iſt gut und gnädig gegen uns Schwache; und was er auch thut, iſt für uns gut!—


