Teil eines Werkes 
4.-6. Bändchen (1844)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

232

Leiler einen Brief aus einander und las folgendes Stück daraus Alfhild laut vor:

„Herr Leiler wird ſehr wohl einſehen, daß ein Va⸗ ter unter ſolchen Umſtänden Bedenklichkeiten haben kann, die mit dem freien Worte in Kampf gerathen, das er als freier Mann gegeben hat. Die außerordentlich lei⸗ digen Begebenheiten, worin Sie verwickelt waren, mein Herr, werden immer, und auch jetzt, nachdem der Schat⸗ ten dem Lichte Platz gemacht hat, von unberechenbar widrigen und einflußreichen Folgen ſein. Ich hoffe deßhalb, daß das wohlbekannte ſtarke Ehrgefühl des Herrn Architekten das zurückgeben wird, was mein Ehrgefühl mir auf eine beſtimmtere Art zurückzufor⸗ dern verbietet, nämlich mein Verſprechen u. ſ. w.“

Leiler legte den Brief mit einer verächtlichen Be⸗ wegung zuſammen, und ſteckte ihn, ohne ein Wort zu ſagen, wieder zu ſich.

„Und das hat mein Vater geſchrieben! Er hat mich nie einen ſolchen Beſchluß ahnen laſſen. Er wußte wohl, daß es mein Tod ſein würde.“

„Aus dem Beſchluſſe wird nichts,“ ſprach Leiler in fürchterlich beſtimmtem Tone.„Er hat mir einmal ſein Verſprechen gegeben, daß ich wieder kommen dürfe, wenn ich den Scheidungsbrief in der Taſche habe; und ich komme, deſſen ſei gewiß, meine Alfhild— ehe noch die Herbſt⸗ winde das letzte gelbe Blatt hinweggeweht haben. Dann fordere ich die Einlöſung dieſes Verſprechens, das er bei ſeiner Ehre und ſeinem männlichen Worte beſchwor. Ich hoffe, er wird mich nicht zurückweiſen. Aber ſollte es dennoch geſchehen— ſo beruhige Dich bei meiner Verſicherung, daß ich nicht vier lange Jahre um mein

Andern fortgeblaſen zu ſehen.“ „Aber was würdeſt Du dann thun, Leiler?“ fragte

Alfhild, und ihre Stimme zitterte vor Angſt.* .„Was ich thun würde?“ Die Braunen des Archi⸗ tekten floſſen in einer tiefen Falte zuſammen. Eine finſtere Wolke ſchwebte über ſeine Stirne.„Laß uns

2

Glück gekämpft haben will, um es von der Laune eines