wer das reizende Mädchen war, bis eine von den gnã⸗ digen Damen der Nachbarſchaft mit einem leichten Kopfnicken ſprach:„Wie ſteht das Befinden, meine kleine Mamſell Frenkmann? Eine Roſe würde ſich beſ⸗ ſer in den Locken ausgenommen haben, als eine Lilie.“
Alfhild erröthete. Aber ohne eine Antwort abzu⸗ warten, wandte ſich die Sprechende an ihre Nachbarin, um das Urtheil derſelben über den Kopfputz einer ge⸗ genüber ſitzenden Dame zu hören.
„Die Tochter des Probſtes? Ein vortrefflicher Zeit⸗ vertreib während eines Aufenthalts auf dem Lande!“ dachte Linus, und verdoppelte, zum Aerger der Fräulein, ſeine feinen Artigkeiten gegen das ſchöne unadelige Mäd⸗ chen. Aber die Mütter hatten ihre Augen beſtändig auf den Major gerichtet, der zwiſchen einer kugelrunden Generalin und einer außerordentlich magern verwittwe⸗ ten Baronin ſaß und unter der Bürde ſeiner ſchweren Obliegenheit, ihnen ſo gut als möglich die Honneurs zu machen, ſchwitzte und ſtöhnte. Er war ſo vollauf damit beſchäftigt, ſeine beiden Nachbarinnen zu beſorgen, oder vielmehr ihnen nachzukommen, daß er nicht mit einem einzigen Blick einen andern Theil der jungen Damen überſchauen konnte, als den, welchen die Generalin und die Baronin ihn wechſelsweiſe aufforderten, in Au⸗ genſchein zu nehmen; und was er dort ſah, war ſo wenig verführeriſch, daß der Major Gott dankte, als die Pein und das Mittageſſen glücklich vorüber war.
Der Reſt des Tages verlief langſam und langwei⸗ lig. Alle Verſuche, den Major in ein Geſpräch mit den edlen Töchtern, oder über dieſelben zu verwickeln, waren verlorene Mühe. Der Major rauchte ſeine Pfeife, in Geſellſchaft der Herren und ließ Linus das Feld bei den Damen behaupten. Aber der Lieutenant, ein muthwilliger Junge, that, was ihm gerade am lieb⸗ ſten war; er wendete und drehte ſich in allen Richtun⸗ gen um Alfhild, die andern Damen kamen ihm ohne Ausnahme zu alt oder zu häßlich, oder gar zu wenig


