Teil eines Werkes 
4.-6. Bändchen (1844)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

219

„Nun, das weiß ich,“ fuhr der Lieutenant mit einem eigenen Lachen fort.„Der Wahltag des Onkels iſt, glaube ich, im ganzen Reiche bekannt; und es war eigentlich nur um noch zur rechten Zeit zu einer ſo ungewöhnlichen Feierltichkeit zu kommen, daß ich Tag⸗ und Nacht hieher gejagt bin.“

„Was für ein Wahltag, Linus?“ Der Major ver⸗ ſtummte vor Verwunderung, als ihm dieſes Licht auf⸗ geſteckt wurde. Sein und Liſa's tiefſtes Geheimniß, in den ſchweigenden Wänden des Schlafgemaches abgehan⸗ delt, ſollte verrathen ſein, war vielleicht, als ein höchſt lächerliches Ding, der Gegenſtand des Briefwechfels zwiſchen Freunden auf dem Lande und in der Haupt⸗ ſtadt geworden! Der Major erroͤthete ſtark und ſaugte an dem Schnurrbarte, als wollte er ihn zerbeißen; und je mehr er über das Närriſche des Planes nachdachte, deſto erbitterter wurde er, da er vielleicht jetzt ein Ge⸗ genſtand des allgemeinen Gelächters geworden war.

Mit einigem Triumph bemerkte Linus die Schwach⸗ heiten des Alten, und baute darauf kühn, ſeine weite⸗ ren Fortſchritte.„Mein guter Onkel,“ ſagte er mit einem leichten Achſelzucken,„erlaſſen Sie es mir, mich darüber auszuſprechen; denn bei meiner Ehre und mei⸗ nen Gläubigern! wenn der Onkel die perſoniſicirte Geduld ſelbſt wäre, ſo würde er doch über die Scham⸗ loſigkeit und die Bemühungen dieſer Menſchen ergrimmt werden. Man wird Ihnen die herzlich lächerliche Art nie verzeihen, wie Sie ſich ein Weib wählen wollten. Und ich ſage es Ihnen offen, Onkel; Sie hätten die Sache geheimer halten ſollen! Aber entſchuldigen Sie, ich bin hungrig wie ein Wolf. Ich muß Frau Lind⸗ bom meine Aufwartung machen.“.

Die gerunzelte Stirne reibend, ſtand der Major am Fenſter, und konnte für ſein Leben nicht begreifen, wie die Sache herausgekommen ſein ſollte, und das noch mit einer ſolchen Färbung. Er, der Major ſelbſt, war alſo für den alten Narren gehalten, der nicht zwei Schritte nach ſeiner eigenen Naſe, ſondern ſtets auf