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„Soll nicht das Weib dem Mann folgen?“ flü⸗ ſterte Alfhild in ſüßem, vermittelndem Tone, und legte den Kopf vertraulich an des alten Sebaſtians Bruſt.
„Um dann von ihm verlaſſen zu werden,“ wandte der alte Oernroos ſchärfer ein, als er ſonſt zu thun pflegte.
„Das glaubſt Du nicht, Onkel Sebaſtian,“ erwie⸗ derte Alfhild mit einem gewiſſen Selbſtgefühl.„Ich weiß gewiß, daß Du das nicht glaubſt. Verdamme Leiler nicht ganz! Er hat gefehlt, ſehr gefehlt; aber ſein Charakter und die unglücklichſten Zufälle hatten ſich gegen ſeine beſſeren Gefühle verſchworen. Und Du weißt ja,“ ſetzte ſie mit ſcheuem, geſenkten Tone hinzu, „daß er Marie nie liebte.“
„Ich höre, daß ſeine beredte Zunge auch Dich be⸗ meiſtert hat. Im Anfang, Kind, als Du erfuhrſt, er ſei verheirathet, ſprachſt Du anders.“
Alfhild erröthete ſtark.—„Papachen,“ ſprach ſie. ganz leiſe,„glaube nicht, daß ich das jetzt weniger fühle, was dieſe Umſtände betrifft; aber damals wußte ich ja nicht, daß er ſich von ſeiner Gattin trennen würde, eben ſo wenig, daß ſeine Treue und Standhaf⸗ tigkeit ſolche Proben beſtehen könnte, als er jetzt durch⸗ laufen hat; auch hatte ich die gräßlichen Geſchichten nicht geleſen, die mich wie eine ⸗Zauberkette an ihn banden. Aber die Zauberei liegt wohl nur in der Liebe; ich liebe ihn, und will mit ihm leiden, mit ihm mich freuen und ſterben.“
Der alte Sebaſtian ſchüttelte den Kopf. Dieſe Ideen, ſo natürlich ſie auch in einem Gemüthe erſchie⸗ nen, das für die lebendigſten Eindrücke empfänglich war, welche der Liebende dort eingepflanzt hatte, konnte Onkel Sebaſtian nicht begreifen.„Alfhild, mein Kind,“ ſagte er beinahe weich,„an dem Abend, wo der Baumeiſter hier war und Abſchied von Dir nahm, muß er Dich ganz umgeſchaffen haben! Du haſt zwar immer ein fühlendes Herz, und ein warmes Gemüth gehabt; aber ſo wie jetzt haſt Du nie früher geſprochen Du haſt


