Teil eines Werkes 
4.-6. Bändchen (1844)
Entstehung
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Sie wollte weder geſehen noch gehört haben. Aber gegen ihren Willen ſah und hörte ſie Alles.

„Sie ſind mir nicht mehr böſe?“ Der Architekt beugte ſich ſo tief herab, daß ſeine Locken beinahe den Saum ihres Kleides berührten.

Thelma meinte zu vergehen. Sie erinnerte ſich des entſetzlichen Abends, wo ſie, auf Albano's Bett⸗ kante ſitzend, mit einem Todesſchauer ſich von ſeinen Armen umſchloſſen fühlte. Damals ſtrebte ihr Körper aus allen Kräften, dem Netze zu entgehen. Jetzt war es der Geiſt, der kämpfte, um ſich einer Gewalt zu entziehen, die ihr beinahe wie ein Zauber vorkam. Sie wollte aufſtehen, ſie wollte ihn verlaſſen; das zar⸗ teſte Gefühl ihres Weſens litt bei dem Bleiben. Und doch war ſie wie mit unſichtbaren Banden gefeſſelt.

Noch nie hatte Thelma Leilern in dieſer Nähe be⸗ trachtet. Der Wind ſpielte durch die feinen Ringeln ſeines ſchwarzen Haares; die Stirne erſchien in der dunklen Dämmerung beinahe marmorweiß; aber auf ihrer Wölbung lag eine ſeltſame Wolke, wie das dunkle Zelt der Nacht, wenn es über den bleichen Sternen ausgeſpannt iſt. Die Augen, als ſie ſich zu ihr hoben, brannten von einem Feuer, das ſie nicht zu ertragen vermochte, und um die Lippen, wenn ſie ſich zu einem ſtillen Seufzer öffneten, ſpielten die feinen Züge des trotzigen Uebermuths, der mit Mühe von dem Mantel ſcheuer Ehrerbietung beſchattet war.

Der Eindruck, den Thelma in dieſer Minute em⸗ pfand, war nicht von der ſüßen, angenehmen Gattung, wie ſie bei der Felsgrotte gefühlt hatte. Es lag zwar immer und jetzt mehr als je ein unerklärlicher Zauber in dem ganzen Weſen des Architekten; aber wenn ſie jeden ſeiner Züge beſonders betrachtete, ſo erweckten ſie eine Furcht in ihr, zu der ſie den Schlüſſel nicht fin⸗ den konnte; und nur wenn ſie ſie in ihrer Geſammt⸗ heit ſchaute, waren ſte unwiderſtehlich.

Noch war keine Antwort über ihre Lippen gegan⸗ gen. Sie ſchämte ſich ihres Schweigens, das ſprechen⸗

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