ſtarken Männer, die ihr nicht mehr als euch ſelbſt und die Kraft eures eigenen Weſens bedürft, um den Schmerz zu vertreiben und ihm Stille zu gebieten. „Leben Sie wohl, guter, theurer Freund! Nur noch zwei Mal wird der Vollmond über dem einſamen
Fredoberg aufgehen, und dann kömmt Sct. Johannitag,
und mit ihm ein freundlicher Sonnenſchimmer in meine Nacht, dann kommt Blum! Getreu will ich in die blaue Ferne hinausblicken. Das iſt auch ein Vorzug des Sommers, daß man bei gutem Wind den Weg zwiſchen unſerer Heimath in Norwegen und meiner hieſigen Wohnung in der Hälfte Zeit zurücklegen kann, als man im Winter dazu brauchte. Leben Sie wohl— und ſeien Sie willkommen, Ihrer ergebenen Marie.“
—
Blum war eben von einer ſeiner gewöhnlichen
Wanderungen auf ſeinen Gütern umher zurückgekom⸗ men, als der Stadtbote unter andern Briefen auch den obigen von Marie brachte. Der redliche Blum war heute mehr als gewöhnlich aufgeregt; er war auf ſei⸗ nem Gang in der Nähe von Leiler's kleinem Hofe ge⸗ weſen, und hatte der Verſuchung hinein zu gehen, nicht widerſtehen können. Dadurch vermehrten ſich noch die Erinnerungen und Unruhen, die ſein krankes Herz quälten. Seit Marien's Abreiſe hatte er nur einen kleinen kurzen Brief von ihr erhalten. Sie hatte je⸗ doch einen längeren verſprochen,— und jetzt ging er mit dem Dokument, das ihm die Erfüllung ihres Ver⸗
ſprechens brachte, die Treppe hinauf nach ſeinem Ar⸗
beitszimmer und verſchloß die Thüre. Der heiße Schmerz, der durch jede Linie dieſes Briefes brannte, fand ein Echo in Blum's treuer, männ⸗ licher Bruſt. Er litt unausſprechlich, ja vielleicht mehr als ſie ſelbſt, als er ſah, daß der Kummer mit ſeinen nagenden Zahne an dem ſchönſten Herzen fraß, das e kannte, an einem Herzen, deſſen geringſten Wunſch zu erfüllen ſeine höchſte Seligkeit war. Aber es lag auch 4


