Teil eines Werkes 
4.-6. Bändchen (1844)
Entstehung
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23 Standhaftigkeit und Kraft in dieſem ſchwachen Weſen, in einem Weibe. Das freute ihn.„Aber drei Jahre,“ dachte er bei ſich ſelbſt,„drei Jahre und darüber kann ſie es in dieſer ſtillen Einſamkeit nicht aushalten. Ich muß irgend etwas erdenken, um ihr näher zu kommen, irgend einen Ausweg, um ihren Aufenthaltsort zu verändern. Dieſe verödete Abſonderung von der Welt kann ſie nicht zu einer Heiligen umſchaffen; das war ſie ſchon vorher, ſo weit ſich das Bild eines Engels in Weibergeſtalt dem Heiligen nähert. Aber ſchwär⸗ meriſchen Ideen, ſchädlich für ihr künftiges Leben, das dadurch eine immer finſterere Richtung nehmen muß, wird ſie mit dieſer kalten, nebligten Scheerenluft ein⸗ athmen— und das muß anders werden! Und ich muß hin!“

So dachte Blum. Ihr gehörten alle ſeine Gedan⸗ ken; für ſich ſelbſt hatte er keine.

Nach einigen Tagen ſchrieb er ſeine Antwort. Es hatte ihn Mühe und Kampf gekoſtet, um das Wärmſte darin auszudrücken, was ein treuer Freund ſagen konnte, ohne daß in dem Inhalte ein Hauch von den brennenden Gefühlen des liebenden Mannes athmete. Allein dieſe lagen dennoch ſtets im Hintergrunde und ergötzten ſich damit, dem ehrlichen Blum Poſſen zu ſpielen, der nicht merkte, daß ſie wie unſichtbare Feen in ſeine Fingerſpitzen, ja in die Feder ſelbſt hinab⸗ ſchlüpften und ihm beim Nachdenken und Niederſchrei⸗ ben halfen. Einen ſolchen Spuck ahnte der ernſte Blum gar nicht.—„Das iſt Freundſchaft,“ ſagte er treuherzig und verſiegelte den Brief. Wir theilen da⸗ von folgende Abſchrift mit:

„Mariel!⸗

(Im Vorbeigehen geſagt, hatte Blum der ſeinen Kopf bedeutend mit der Ueberſchrift zerbrochen hatte— eine nicht ſelten kitzlige Sache, wenn man entweder zu viel oder zu wenig zu ſagen fürchtet— ein paar Bogen Poſtpapier mit den trivialen Worten:„Beſte,“„Holde,“ „Liebe,“„Theure“ u. ſ. w. beſchmiert, von denen ihm jedoch keines ſo wohl zu klingen ſchien, als das Eine,