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Vorwurfs iſt mir ein ſicherer Bürge, daß meine geheim⸗ ſten Gedanken kein Geheimniß mehr für den Scharfſinn des Herrn Probſtes ſind; und dieſe Ueberzeugung gibt mir den Muth, ohne Umſchweife mein Leidweſen darüber aus⸗ zuſprechen, daß unſere norwegiſchen Geſetze nicht in ſo kurzer Zeit von einem unglücklichen und unpaſſenden Ehe⸗ band befreien, als die ſchwediſchen, welche geſtatten, daß man durch eine Verkündigung in der Zeitung in Jahr und Tag die Sache abmachen kann. Bei uns iſt es nöthig, daß der verſchwundene Gatte drei Jahre lang fort geweſen ſein muß, ehe eine ſolche öffentliche Tren⸗ nungserklärung geſchehen kann.“
Höchſt verwundert ſah Probſt Frenkmann ſeinen Gaſt an, und es iſt ſchwer zu entſcheiden, welche Gedanken und Entſchlüſſe ſich jetzt in ſeinem Kopfe wälzten. Er erwiederte kurz:„So, der Herr gedenkt alſo ſich von ſei⸗ nem Weibe zu trennen; das iſt nicht ſehr ſchön!“
„Schön oder nicht ſchön,“ entgegnete der Architekt, mit einem leichten Anſtrich von Aerger,„ſo wird ein ſol⸗ cher Schritt wenigſtens der richtige ſein, wenn man nicht glücklich zuſammen leben kann. Aber hier handelt es ſich nicht von Recht und Unrecht in Beziehung auf die Sache ſelbſt; das iſt längſt mit meinem Gewiſſen abgemacht, und wird weiter von unſern norwegiſchen Geſetzen ent⸗ ſieden werden. Das, was ich ſagen wollte, und wozu ich den Herrn Probſt das bereits Geſagte als Einleitung zu betrachten bitte, iſt die offene und redliche Frage, ob der Herr Probſt, wenn meine Ehe aufgelöst iſt, und ich um Alfhilds Hand bitte, mir dieſe geben, und im Ver⸗ trauen auf meine Vorſorge mir das Gluͤck des Weibes anver⸗ trauen will, das mir über Alles auf Erden theuer iſt?“
„Das iſt eine ſehr verwickelte Frage,“ ſprach Probſt Frenkmann mit einem ſo ſcharfen Blicke, wie ein friſch⸗ geſchliffenes Raſirmeſſer,„meiner Treu, ſehr verwickelt; und da ſie auch ſehr ungehörig iſt, ſo hoffe ich die Ant⸗ wort auf einen paſſendern Zeitpunkt aufſchieben zu dür⸗ fen, auf den Zeitpunkt, wenn ihre Entſcheidung heran⸗ naht.“— Es begann glühend heiß in Leilers Adern zu


