Teil eines Werkes 
1.-3. Bändchen (1844)
Entstehung
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Während dieſer langen Pauſe ſaß Marie da, und betrachtete ihn, wie er nach dieſem ſo freundlichen, bei⸗ nahe liebevollen Handkuß auf einmal gedankenvoll vor ſich hinſtarrte, und beinahe von Allem, was um ihn vorging, getrennt, es ganz vergeſſen zu haben ſchien, daß es noch außer ihm eine Welt gebe.—„Er denkt wohl gewiß nicht daran, daß es in dieſer nemlichen Welt ein ſo unbedeutendes Weſen wie ſein Weib gäbe,“ dachte Marie, und ſo ſtand ſie denn von ihrem Stuhle auf, um ihn allein zu laſſen. Sie hätte jetzt ſo gerne mit ihm geſprochen; aber ſeine Aufmerkſamkeit war ferne, und nur der Stich in Mariens Herz nahe.

Die Bewegung, die ſie machte, als ſie den Stuhl rückte, weckte ihn.—„Wie, meine liebe Marie, Du verläßt mich ſo bald?“— Die Stimme hatte nicht mehr die geringſte Wärme; ſie war ſanft, aber gefühllos.

„Ich glaubte, Du wünſcheſt es!“

„Nein, gewiß nicht. Ich dachte nur gerade an Et⸗ was! Verzeihe mir, und geh noch nicht, Marie!“

Sein Blick war ſprechend; ſie nahm ihren Platz wieder ein; aber aus Furcht, in eines jener gefährlichen Schweigen zu verfinken, welche die Seele mehr ſpannen,

als es Worte zu thun vermögen, beſiegte ſie ihre Bewe⸗

gung und ſagte:„Auch ich habe bedacht, Rudolph, habe erwogen und beſchloſſen—“ ſie ſtockte; es wurde ihr ſo

ſchwer; das Wort wollte nicht über die zitternden Lippen;

es fehlte ihr an Luft. Und doch mußte dieſer Zuſtand

einmal beendigt werden; ſo wie es jetzt war, konnte es

nicht fortdauern. Der Wille, ihren Entſchluß auszu⸗ ſprechen, war in ihrer ſtarken Seele; aber der Laut, worin er ſich kleiden ſollte, zitterte, und wollte ſich nicht ausdrücken laſſen.