Teil eines Werkes 
1.-3. Bändchen (1844)
Entstehung
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gangenen Jahren ſich ſo oft nach einem Sonnentag ſehnte, um ſich daran zu wärmen, oder hätte ſie nur wenigſtens verſucht, dieſes auf jenen kleinen Wegen der Eroberungs⸗ ſucht zu gewinnen, die dem Weibe erlaubt ſind, es wäre ihr gewiß gelungen. Aber jetzt, jetzt iſt es vorbei! Mein Herz hat ſein Ziel gefunden,— ein Weſen, das nicht weiß, was Verſtellung iſt, noch was eine ſolche Gemüths⸗ ſtärke ſagen will, die ſich anſtrengt, dem warmen Ge⸗ fühle eine Feſſel anzulegen, und eine Kälte zu erheu⸗ cheln, wie eine marmorne Venus, während das Blut friſch durch jede Ader läuft, und jeder Pulsſchlag dem Herzen eine neue Sekunde verkündet, die ohne Hoffnung vorübergegangen iſt. Nein, Alfhild, meine reine, weiße Taube, ſie ſchmiegt ſich warm und ſehnſüchtig an meine Bruſt, ſie ſucht dort ihren Schutz, und ihre Wange er⸗ röthet oder erbleicht, je nach dem Ausdruck, den ſie in meinem Blicke findet. So, ja ſo muß die Liebe des Weibes ſein. Eine Hingebung, die von dem Manne abhängig iſt, an den ſie ſich geheftet hat. Alle ihre Ge⸗ danken, Gefühle und Begriffe müſſen ſich in dem einigen Wiſſen vereinigen, daß ſie liebt! Außer dieſem gibt es nichts für ſie. Die Worte ihres Geliebten oder Gatten ſind ihr genug; der Glaube an ſie iſt ihre Welt; ſein Wille, ſein Beſchluß die einzige Geographie, die ſie zu ſtudiren; die Berechnung der feinſten oder helleren Töne ſeiner Laune die einzige Arithmetik, die ſie zu kennen braucht.“

Während ſo Leiler die Liebe ſeiner Gattin und ſei⸗ ner Geliebten mit einander verglich, ein Vergleich, der von der ſchärfſten Selbſtſucht gemacht wurde, vergaß er, was nicht ſo ſelten geſchieht, eine Göttin, die leider mehr Repräſentanten als wahre Verehrer beſitzt, nemlich die Gerechtigkeit; denn er vergaß ganz den Unterſchied ſeines eigenen Benehmens gegen dieſe beiden Weiber ins Auge zu faſſen. Hätte er dieß gethan, ſo hätte er ein⸗ ſehen müſſen, daß er in ſich ſelbſt und nicht in ihnen die Urſache des verſchiedenen Verhältniſſes zu ſuchen habe.

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