Teil eines Werkes 
1.-3. Bändchen (1844)
Entstehung
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223 Zweiundzwanzigſtes Kapitel.

—— Doch Was hilft mein Bitten, was die Klagen? Iſt nicht mein Urtheil tief und unauslöſchlich In des Geſchickes Kupferblatt geſchnitten? Was hoff', was ſuche, was begehr' ich? Was kann mir werden, was ich noch verlieren?

Verjagt, verhöhnt, mich ſelbſt verzehrend— friedlos. Runeberg.

Die Nacht hatte ihren Baldachin über die Erde ausgeſpannt, und der für die beiden Gatten ſo bittere Tag, welchen wir am Schluſſe des vorigen Theils ge⸗ ſchildert haben, war in das weite, nie wieder eröffnete Grab der Zeit hinabgeſunken.

Marie lag einſam in ihrer Kammer auf den Knieen, und bat um Muth und Standhaftigkeit, den bittern Kelch zu leeren. Doch der Friede wollte nicht wieder in ihre Seele zurückkehren. Bebend ſchauderte ſie jedes⸗ mal zuſammen, wenn ſie bei dem Gedanken an die dunkle Zukunft verweilte: einer Zeit, wo ſie allein, ganz allein, ohne die geringſte Hoffnung auf Verbeſſerung ihrer Lage, und verlaſſen mit einem Herzen da ſtand, das nach Glückſeligkeit ſchmachtete, aber dazu verdammt ſchien, vor Schmerz verbluten zu müſſen.—— Und doch hörte Marie nicht auf zu beten, und ſie bat nicht allein für ſich ſelbſt, ſie bat auch für ihn, der ihr den bittern Schmerz zugefügt hatte.

Die Liebe des Weibes iſt ſtets, auch wenn ſie ſelbſt genöthigt iſt, dieſelbe als eine Schwachheit zu verdam⸗ men, ſie iſt ſtets— ſofern ſie wahr geweſen— ſo ohne alle Selbſtſucht, daß ſie ihre eigene Perſönlichkeit über dem Gegenſtand vergißt, den ſie liebt. So hatte Marie ihren Gatten geliebt, ſo liebte ſie ihn noch, als ſchon der letzte Stern am Himmel der Hoffnung erloſchen, und die letzte Roſe verwelkt von ihrem Stängel gefallen war.

Dieſe Nacht war ihr ewig unvergeßlich; ſie war