gerin, und einem Architekten, der ſich ſo prätendirt und wie ein Edelmann zu benehmen weiß, kaun man, ohne ſeine Würde im Geringſten zu kompromittiren, das Ver⸗ gnügen eines gebildeten Umganges gönnen. Auch der Biſchof hat ihm Aufmerkſamkeit geſchenkt, und ihn be⸗ ſonders empfohlen.“
Die Baronin nickte beifällig:„Gewiß, beſonders auf dem Lande, mein Schwager, wo die Wahl uns nicht in Verlegenheit bringt.“
Die Aufmerkſamkeit wurde wieder auf Leiler gezo⸗ gen, der den Vortheil recht wohl merkte, den er mit je⸗ dem Augenblicke gewann, und denſelben durch eine ſtets neue Wendung in ſeinem Vortrage zu ſteigern ſuchte. Nur auf Einen unter den Zuhörern wirkte ſeine Kunſt nicht, ein; jeder feurige Gedanke, jede tiefſinnige Bemer⸗ kung prallte an Graf Albanos Kälte wie ein Pfeil au einer ſtählernen Bruſt ab, und immer düſterer und wort⸗ karger wurde der Graf, je ſchärfer ſein Blick Thelmas belebte Züge beobachtete. Sie, die in dieſem flüchtigen Augenblicke des ungewohnten Genuſſes alle Vorſicht, alle fpähenden Augen vergaß, überließ ſich ganz dem verfüh⸗ reriſchen Reize, den intereſſanten und lebensvollen Schil⸗ derungen des vielgereisten Mannes zuzuhören; und erſt als ihr Auge ganz zufällig auf ihren Vetter ſiel, und ſie in dem ſeinigen den wechſelnden Ausdruck des Zor⸗ nes, des Schmerzes und Unwilllens, ja beinahe die Ver⸗ dammung ihrer unſchuldigen Freude las, da bekamen ihre Wangen die friſche, ſchweſterlich erblühende Farbe der dunkelrothen Roſen. Die Augendeckel ſanken über die leuchtenden Sterne, und die zitternde Thelma verlor den Faden von des Baumeiſters Erzählung. 3
Kein Glied der Geſellſchaft, den alten Borgſtedt am untern Ecke ausgenommen, hatte etwas bemerft; aber der Alte ſah und begriff, wie mehrere feine Fäden
ſich ſpannen und woben. Er ſah auch, was Graf Al⸗ bano, der auf einer andern Seite ſaß, nicht ſehen konnte, nämlich
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