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werdenden Dämmerung, bis auch die letzte Wolke wie
ein erlöſchendes Gedächtniß von der Nacht überſchattet wurde.
Etwas Wehmüthiges regte ſich in Alfhilds Seele. Ein fragender Gedanke flog von der Tiefe derſelben hin⸗ auf zum Unermeßlichen.—„Werden immer ſo freund⸗ liche Sterne im Dunklen leuchten?“
„Was iſt denn?“ ſagt Jean Paul.—„Menſchen— Träume— blaue Tage— ſchwarze Nächte ohne mich hergeflogen, ohne mich hingeflogen, wie Sonnenfäden, welche die menſchliche Hand weder ſpinnen noch feſthal⸗ ten kann. Was blieb denn zurück— ein großes Weh über das ganze Herz.“
„Mein einſtiges Leben mit all' ſeinen Blumen ſteht tief unter dem Waſſer, und ich muß mich in das unend⸗ liche Weltmeer werfen. Gib mir Deine Hand und ſchwimme mit.“
„Der Menſch ſieht bewegt hinab in die tiefe Zeit, wenn ſeines Lebens Spuhle noch beinahe leer ohne einen Draht herumläuft; denn ſein Anfang grenzt näher an die Mitte, als ſein Ende, und die Aus⸗ und Einſchiffungs⸗
Küſte unſeres Lebens hängt in das dunkle Meer hinab.“
Alfhild ſtützte ihren Kopf auf die Hand. Vom Thurme ſchallten in feierlicher Stille die erſten Töne des Abendläutens, aber ſie erklangen nicht allein; das Echo eines Geräuſches wie ein Rädergeraſſel wechſelte mit ihnen ab. Das Mädchen hob ihren Kopf wieder um einige Linien und lauſchte; immer deutlicher wurde das Geräuſch. Es fuhr immer näher; aber noch hörte man den eintönigen, wunderſam hellen Klang der Glocken.
„Das iſt er, ja ganz gewiß, das iſt er!— Alfhilds Herz ſchlug unruhig. Sie hatte den Gaſt ſo ſehr er⸗ wartet; aber wie zitterte ſie jetzt nicht vor Onkel Se⸗ baſtians düſterer Laune! Doch jetzt war keine Zeit zum Zittern. Leicht wie eine Fee ſchloß ſie die Thüre und flog die Treppe hinab in das Zimmer ihres Vaters.
Der Probſt hatte ſchon daſſelbe Geräuſch gehört,


