einen ſonnenhellen Tag in der immer dunkler und dunkler
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„Warum denn, Onkel? Ich habe ſelbſt oftmals das Porträt angeſehen und gemeint, ich gleiche ihm etwas. Wer ſoll es denn ſein? Das möcht' ich gerne wiſſen.“
„Deine Großmutter, meine ſelige Schweſter; aber Gott ſei Dank, Deine Augen haben nicht dieſes Feuer, ſo hell ſie auch ſind, und Deine Lippen lächeln nicht auf dieſe Art. Deine Augen und Deine Lippen, Madchen, ſpiegeln treu die reinen Bilder zurück, die in Deinem* unſchuldigen Gemüthe wohnen. Doch kein Wort mehr davon, Alfhild, das, an was ich dachte, iſt längſt begra⸗ ben, Friede ſei mit denen, die da ſchlafen!“
„Aber, Onkel Sebaſtian, warum hängt das Porträt der Großmutter nicht bei den andern im Saale drunten?“
„Deßhalb, weil es von einer Perſon gemalt wurde, welche dieſes Zimmer längere Zeit bewohnte, und ihm hier ſeinen Platz gab; aber dann traten Ereigniſſe ein, die, mit dem Gedaäͤchtniß Deiner Großmutter verknüpft, zur Folge hatten, daß— doch da ſchwatz ich nutzlos die Zeit hinweg. Vergiß es, mein Täubchen, und denke lie⸗ ber darauf, daß ich bald meinen Yſopthee bekomme; Du hörſt, daß ſich der Huſten nicht geben will.“
Mit dieſen Worten ging der alte Sebaſtian hinaus, indem ſein Blick auf ſeinem Lieblinge ruhte. Auch Alf⸗ hilds hatte ſich eine feierliche Stimmung bemächtigt. Beinahe mit einem unheimlichen Gefühle wandte ſie den
Blick von dem Bilde ab und trat an's Fenſter, welches
ſie öffnete, um die friſche balſamiſche Frühlingsluft ein⸗ zuathmen. An der verroſteten Vergoldung der alten Thurm⸗
ſpitze brannte der letzte Strahl der hinter dem Berge verſinkenden Sonne, die dem Blicke verborgen, aber von der Hoffnung auf eine Zukunft geahnt war. Der Abend war herabgekommen; aber noch ſchwebte ein goldener Schimmer zwiſchen Himmel und Erde. Die hellen Wol⸗ ken, gegen welche die geſchwärzten Mauern des Kirch⸗ hofs in ſcharfen Umriſſen abſtachen, verbreiteten noch
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