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tigen und traurigen Stunde. Haſt Du ſchon daran gedacht, mein Kind, daß dieß der Todestag Deiner Mutter iſt; haſt Du heute gebetet, Alfhild?“
„Nein, mein Vater, noch nicht; aber ich will es jetzt thun,“ ſprach Alfhild fromm. Sie konnte jedoch nicht verhindern, daß ein leichter Schauer ihre Glie⸗ der durchbebte, als ihre Gedanken wie von ſelbſt von dem Gedächtniß der Mutter auf den zerbrochenen Pokal übergingen. Sie hatte ſich des traurigen Tages erin⸗ nert. Doch bald wichen alle ſchwarzen Bilder vor dem Lichte in ihrer Seele. Süße ſelige Thränen ſtrömten über ihre Wangen; mit ihrem Vater beten zu dürfen, war etwas ſo Neues, ſo Schönes für ihr nach Liebe ſchmachtendes Herz. Und ſie hatte ja nie die freund⸗ lichen Liebkoſungen einer Mutter gefühlt, nie die Thrä⸗ nen in einem mütterlichen Auge geſehen, noch ein Ge⸗ bet von ſolchen Lippen gehört. Nur einige armſelige Wochen hatte Alfhild am Buſen der Mutter geruht, als der Tod ſie trennte, und von harten Männerhänden erzogen, hatte ſie dunkel gefühlt, daß ihr Etwas fehlte, daß ſie, eine einſame Ranke, emporwuchs, zwar be⸗ ſchirmt von zwei Eichen, aber ohne einen Spalier, an dem ſie ſich hätte emporwinden können.
Alfhild weinte, als ob Thränen der ſüßeſte erfri⸗ ſchendſte Thau wären; und wenn je ein Gebet, von den Schwingen der reinſten Andacht getragen und aus rei⸗ nen Lippen kommend, dem Throne Allvaters naht, ſo drang gewiß Alfhild's Gebet dahin. Sie ſelbſt war ein lebendiger Glaube. Hoffnung, Friede und Troſt ſtrahlten in ihrem Auge, als ſie aufſtand, ſich an des Vaters Wange lehnte und flüſterte:„Jetzt habe ich ge⸗ betet; ich will es nie mehr vergeſſen.“
Segnend berührte die Hand des Probſtes Frenk⸗ man die Stirne ſeiner Tochter.„Geh auf Dein Zim⸗ mer, mein Kind, wir eſſen heute nicht zu Nacht.“
Alfhikd entfernte ſich, aber der Probſt und Onkel Sebaſtian ſaßen in ernſter Unterredung bis ſpät in die Nacht hinein.—„Warum mußte es auch heute ge⸗


