ſtrömte, um etwas von der Feier des Tages zu ſehen
und zu hören, ſchwebte die Tochter des Probſtes, die liebliche Alfhild, einſam durch die leeren, zierlich her⸗ 3 gerichteten Zimmer des Pfarrhofs. Wie ein ordnender Geiſt überflog ihr Blick das Ganze, blieb jedoch am Tiſche und mit ſichtlichem Wohlgefallen an der künſt⸗ lich zuſammengelegten und in einer Pyramide ſtehenden Serviette haften, die für den Biſchof beſtimmt war.
„Das läßt ſich noch ſchöner machen,“ ſagte Alfhild, und eine helle Freudengluth bepurpurte ihre Wangen, als ihr beifiel, daß ein Myrthen⸗ oder Roſenbäumchen aus ihrer kleinen Orangerie den Platz des hochgeachte⸗ ten Gaſtes noch höher zieren könnte.
Schnell wie der kaum geborene Gedanke flog Alf⸗ hild nach den Blumen, und mit ihnen wieder an den beſtimmten Platz zurück. Aber wie der Gedanke wäh⸗ rend ſeiner ſinnenden Rundreiſe, ſo kann auch die un⸗ ſchuldigſte, von einer jugendlichen Aufwallung erzeugte Handlung durch Anſpielung auf ihren Zuſammenhang mit dem Ueberſinnlichen den unbewußten Keim zur Verheerung der Blumen eines ganzen Menſchenlebens in ſich tragen.
Alfhild wand Roſen und Myrthen um die Ser⸗ viette, ſtieß aber in der Eile ihres Geſchäfts mit dem Arm an einen großen geſchliffenen Pokal von hohem Werthe. Dieſer fiel auf den Boden, und dumpf klirrend ſprangen die zerſplitterten Stücke bis zum Kamine hin. Bleich wie die Braut des Todes ſtand das Mädchen mit der friſchen Roſe in der Hand da; aber die Hand zitterte ſo heftig, daß die Blume aus ihrem halbge⸗ öffneten Gefängniß hinab glitt, und die leicht aufge⸗ lösten feinen Blätter zerſtreuten und vermiſchten ſich mit den Kryſtallſcherben.
Mit einer Miene der höchſten Angſt betrachtete Alf⸗ hild die Zerſtörung.„Der Pokal!“ war Alles, was ſie hervorzuſtammeln vermochte; aber dieſe einfachen Worte umfaßten auch den ganzen Begriff von dem hohen Werthe neſſelben, einem Werthe, den ſie von ihrer früheſten Kind⸗
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