460 Zweiundzwanzigſtes Kapitel.
zu führen. Wer mag von dieſen kräftigen Geſellen jetzt noch übrig ſein? Las ich doch neulich von einem einarmigen Zuaven, der nach Marſeille zurückgekommen und dort erzählte, daß von den zwei Kriegsbataillons ſeines Regiments, die vor einem Jahre achtzehn⸗ hundert Mann ſtark von Oran nach der Türkei gegangen ſeien, jetzt nur noch ungefähr zweihundertundfünfzig übrig wären, von den zwölf Kapitäns aber elf todt und der zwölfte in der Ge⸗ fangenſchaft.——
Oran hat unter der hochgelegenen befeſtigten Citadelle einen ſchönen, neuangelegten Spaziergang, mit doppelten Baumreihen, wo man eine prachtvolle Ausſicht auf die umliegenden Höhen, von denen einige mit verfallenem Mauerwerk gekrönt ſind, auf die am Abhang liegende Stadt, ſowie auf das weite, tiefblaue Meer ge⸗ nießt. Neben dieſer Promenade liegt das kleine Theater. Eine franzöſiſche Operngeſellſchaft gab den Brauer von Preſton und zu gleicher Zeit ſahen wir abermals den General Peliſſier, der mit ein paar Damen in der Proſceniumsloge des erſten Ranges ſaß, jetzt nicht ſo finſter wie heute Morgen, vielmehr heiter und lachend.
Obgleich der Dampfer, der uns hieher gebracht, von hier nach Marſeille ging, hatten wir doch keine Luſt, uns ihm wieder anzuvertrauen, ſondern nahmen uns Plätze auf einem andern franzöſiſchen Schiffe, welches, ſowie auch ſein Kapitän, uns mit vollem Rechte ſehr gerühmt wurde. Ehe wir uns aber an Bord begaben, nahmen Baumeiſter Leins und ich einen recht ſchmerz⸗ lichen Abſchied von unſerem bisherigen lieben und getreuen Reiſe⸗ gefährten, dem Maler Horſchelt, der in Oran zurückblieb, da ſeine Abſicht war, längere Zeit hier, ſowie in Algier und Conſtantine zu verweilen; als unſer Dampfer ſich langſam aus dem Hafen fortbewegte, ſahen wir die gute, lange Geſtalt unſeres Freundes noch, auf dem Wege nach Oran zurück, häufig ſtehen bleibend, es ſchmerzte uns, die wir nach der Heimat zurückkehrten, ihn hier allein zurücklaſſen zu müſſen. Sind doch die Reiſen an der


