Teil eines Werkes 
2. Bd. (1855)
Entstehung
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N

Ein Stückchen Afrika. 459

Mauren und Bürgern der Stadt. Sie umgeben eine Tragbahre, welche zwei Araber tragen und auf welcher ein großer, bunt⸗ gefleckter Panther liegt, der am frühen Morgen draußen auf der Ebene geſchoſſen wurde.

Sei mir gegrüßt, orientaliſches Kaffeehaus, mit deinen niedrigen Rohrſtühlchen und kleinen Täſſchen! Liegen denn wirk⸗ lich fünfzehn Jahre zwiſchen jener Zeit und heute, wo ich eben⸗ falls den duftenden Mocca aus dem zierlichen Zarfe trank, und wo mir ebenſo wie heute ein kleiner Negerbube die lange, dampfende Pfeife in den Mund ſteckte? Es ſind ja die gleichen Bilder, die ich damals geſehen, die mir ſo ſehr die jugendliche Phantaſie erregt. Und doch, ſo ähnlich die Umgebung iſt, ſo i*ſt ſie doch wieder ganz verſchieden. Ueber den Platz herüber dringen die rauſchenden Klänge einer franzöſiſchen Militärmuſik, Offiziere in reichgeſtickter franzöſiſcher Uniform ſprengen zwiſchen den erſtaunten Beduinen dahin, voran ein Oberofftzier in mittle⸗ ren Jahren, eine ſtark unterſetzte Figur mit breitem, ernſtem nach⸗ denklichem Geſichte Peliſſier. Jetzt herrſcht freilich an den Ufern des Bosporus daſſelbe Leben, wie hier an der afrikaniſchen Küſte und wo damals eine fremde Uniform zur Seltenheit gehörte, be⸗ wegen ſich heute zwiſchen den Türken und Beduinen zahlreiche franzöſiſche Soldaten, Chaſſeurs d'Afrique und Zuaven. Die letzteren hier in Oran zu ſehen intereſſirte mich beſonders; faſt alle ſind kräftige, unterſetzte Leute, auffallend viele unter ihnen haben hellblonde Bärte. Ihre orientaliſche Phantaſietracht, der grüne Turban, die anſchließende Jacke und weiße kurze Hoſen mit zierlich geſchnittenen Gamaſchen iſt ſchöner und zweckmäßiger, wie die Uniformirung der Armee des Großherrn. Jetzt könnte es mich traurig machen, wenn ich bedenke, wie luſtig und wohlgemuth die armen Zuaven damals durch die Gaſſen von Oran ſchwärmten, ihre kleinen Einkäufe beſorgten und ſich zur Abreiſe rüſteten; drunten bei Mers el Kebir lagen ein paar große franzöſiſche Kriegs⸗ dampfer, um von den hieſigen Regimentern nach Konſtantinopel