Teil eines Werkes 
2. Bd. (1855)
Entstehung
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458 Zweiundzwanzigſtes Kapitel.

flachem Dach, zuweilen mit einer Backſteinkuppel; niedrige, ſchlecht verwahrte Thüren und die Gebäude vielleicht verziert mit den Ueberreſten eines reizenden arabiſchen Fenſterbogens von ſchlanken, oftmals geſprungenen Säulchen getragen, oder auch beſchattet von einer ſchlanken Palme, welche hoch in die blaue Luft hinaus ragte. Dazu das gleiche Straßenleben, die kunſtloſen Läden und offenen Werkſtätten, wo ſichtbar vor Aller Augen Schuhe geflickt und Kleider genäht wurden, ja in den gewölbten Gängen eines weit⸗ geöffneten Hofes eine zahlreich beſuchte Judenſchule, der Lehrer in Turban, langem Talar und gelben Pantoffeln, die kleinen Kin⸗ der in verblichenen rothen und gelben Röckchen, öfters ein geſticktes Käppchen auf dem ſchwarzen Haare, luſtig durcheinander ſchreiend und ſich dabei auf ihren Sitzen hin und her bewegend. Die neue Hauptſtraße Orans iſt mit dieſem Mauren⸗ und Judenviertel durch den großen Hauptplatz verbunden, der die Höhe des Berges einnimmt, und wo ſich Morgenland und Abendland in maleri⸗ ſchen Gruppen vereinigt. Hier traben ein paar Chaſſeurs d'Afrique, die Flinte auf dem Rücken und halten plötzlich an, um mit einem maleriſch coſtumirten Spahi zu plaudern, oder die Bekanntſchaft einiger Beduinen zu machen, die ſoeben von der Wüſte herein geritten kamen. Das ſind faſt die gleichen Geſtalten, mit denen ich vor langen Jahren durch den Libanon und nach Damaskus gezogen, im weißen Gewand, den Yatagan im Gürtel, die lange Lanze quer über den Sattel gelegt; nur der Burnus iſt hier von dem ſyriſchen verſchieden, er hat eine Kapuze, welche der Araber der Berberei über das bunte Kopftuch zieht, und ſo weiß einge⸗ rahmt, ſieht der bronzefarbene Kopf mit den blitzenden Augen noch ernſter und düſterer aus. Die Hauptſtraße herauf, die auf den Platz mündet, kommen Soldaten und Offiziere verſchiedener Waffengattungen, zu Pferde und zu Fuß, dieſe behaglich flanirend, jene eilig im raſchen Trabe des ſchlanken, mauriſchen Roſſes. Dort erſcheint auch mit Einemmale eine dichte Menſchenmaſſe, laut ſchreiend und lachend, ein Knäuel von franzöſiſchen Soldaten,

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