Teil eines Werkes 
2. Bd. (1855)
Entstehung
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Ein Stückchen Afrika. 457 ſtimmung gelte, Reiſende auf ſo unverſchämte Art zu durchſuchen, ſo müſſe ich mir das gefallen laſſen, aber nur von einem Angeſtellten in ſeiner Dienſtuniform; von jedem hergelaufenen Kerl aber in ſchmieriger Blouſe laſſe ich mich nicht anrühren. Das wirkte und man ließ uns unſeres Weges ziehen.

Von Mers el Kebir nach Oran braucht man vielleicht drei Viertelſtunden und fährt auf einer breiten, vortrefflich unterhal⸗ tenen Chauſſee in guten Droſchken, die ſich bei Ankunft eines Schiffes zahlreich am Meere einfinden. Die Straße windet ſich maleriſch längere Zeit in großen Bogen um die weite Seebucht herum und iſt beim Eintritt in die Stadt durch ein von den Fran⸗ zoſen erbautes ſtarkes Werk geſchloſſen. Die umliegenden Höhen zeigen ein Paar alte verfallene, mauriſche Forts, die jetzigen Ver⸗ theidigungslinien ſind alle neu, trefflich gebaut und mit ſtarken Erdwerken umgeben. Als die Franzoſen im Jahr 1830 Oran beſetzten, lag die ganze untere Stadt in Trümmern und wurde von den Eroberern neu aufgebaut, woher es kommt, daß der größte Theil von Oran vollſtändig das Anſehen einer kleinen franzöſiſchen Hafenſtadt hat. Man hat beim Eintritt in dieſelbe keine Idee, daß man ſich an der afrikaniſchen Küſte befindet; die Straßen ſind gut gepflaſtert oder makadamiſirt und auf ihnen ſieht man neben zahlreichem franzöſiſchem Militär nur den europäiſchen Paletot

und runden Hut. Selten läßt ſich in dieſem Stadtviertel ein

Maure ſehen, oder ſchleicht ein Beduine durch eine Seitengaſſe. Die hübſchen Häuſer ſind neu und gleichförmig gebaut und ent⸗ halten franzöſiſche Moden⸗ und andere Magazine, Buchläden, Kaffeehäuſer, Reſtaurationen und elegante kleine Boutiquen aller Art. Girault et Compagnie, Magasin de Nouveautés. Henri Favard, Salon pour la coupe des cheveux.

Auf der Höhe des Berges, an dem Oran liegt, iſt das Mauren⸗ und Judenviertel, wo alte orientaliſche Erinnerungen in mir rege wurden. Oft war es mir, als wandelte ich in einer Straße von Beirut; hier wie dort die ärmlichen hellgelben Lehmhäuſer mit