Teil eines Werkes 
2. Bd. (1855)
Entstehung
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Madrid. 21

nur hie und da bemerkte man eine wenig elegante Kutſche mit einer alten, dicken Dame und ihrem Schooßhunde, auch wohl ein paar Reiter, die erſchienen, ſich flüchtig umſchauten und dann im ſchnell⸗ ſten Trabe nach dem Prado de Recoletos hin verſchwanden.

Ein eigenthümliches Feſt verſchaffte uns indeſſen das Ver⸗ gnügen, die weibliche Bevölkerung von Madrid in vollem Glanze auf der Straße und an den Fenſtern zu ſehen. Es war der ſtebenzehnte Januar, als wir uns nach dem Prado begaben, um die große Gemäldegallerie zu beſuchen; doch fanden wir das Ge⸗ bäude, eines Feiertags wegen, geſchloſſen und ſchritten langſam die Alcalà wieder hinauf.

In der Nähe des Palaſtes de Buenaviſta, wo ſich das Kriegsminiſterium befindet, holte uns ein Bekannter ein, ein ſpaniſcher Architekt, der eilig hinter uns drein geſchritten kam. So recht! rief er uns zu,Sie ſind ſchon auf dem Wege nach der Puerta del Sol. Aber ich bitte, ein Bischen eiliger zu gehen, die Funktion hat ſchon lange begonnen.Welche Funktion? fragten wir.Nun, Sie wiſſen doch, was heute für ein Tag iſt. So viel ich mich erinnere, Dienſtag.Ach, das meine ich nicht! erwiederte lachend unſer ſpaniſcher Architekt,ich wollte fragen, welcher Heilige nach dem Kalender heute ſeinen Tag hat. Und da er bemerkte, wie wir ihn verwundert anſchauten, fuhr er fort:Heute iſt ja St. Antoniustag, das einzige Feſt, welches auch den armen Thieren zu gute kommt. Richtig, jetzt fiel es mir ein, daß ich an dieſem gleichen Tage vor mehreren Jahren in Rom war und dort ebenfalls dem Feſte beiwohnte, welches, wie der Spanier ſagte, den armen Thieren zu gut käme.Ge⸗ ſchwind, mahnte der Architekt,eilen wir, die Puerta del Sol zu erreichen, und dann wollen wir von dort gegen St. Antonio hinaufſteigen.

Die Puerta del Sol war heute noch belebter als an andern Feſttagen. Man hat Mühe, durch die Menſchenmenge zu dringen, welche Kopf an Kopf ſteht, förmlich Spalier bildet und nur die Verbindung der Straße Mayor mit der Straße de la Montera