Teil eines Werkes 
2. Bd. (1855)
Entstehung
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20 Zwölftes Kapitel.

man bleibt in den Schranken einer höflichen Sprechweiſe, und ge⸗ wöhnlich beſchließt irgendeine ſcherzhafte Wendung den Streit, worauf man ſich lachend entfernt. Natürlicherweiſe gibt es auch dergleichen Veranlaſſungen, die nicht ſo freundlich endigen, wo am Schluß die Meſſer blitzen und Einer, ſchwer verwundet, zu⸗ ſammenſinkt. Doch kommt das in jetziger Zeit wohl nicht öfter vor als im kälteren Deutſchland, und ſind auch die Veranlaſſungen hier wie dort die gleichen: ein kleiner Rauſch, die Augen einer treuloſen Schönen eine Eiferſuchtsſcene.

Während unſeres Aufenthalts in der ſpaniſchen Hauptſtadt hatten wir ſelten Gelegenheit, das ſchöne Geſchlecht von Ma⸗ drid in ſeinem vollem Glanz zu ſehen. Es war ja Winter, die meiſten Bäume kahl, ein heftiger Wind fegte durch den Prado, ſo daß einem die nackten Marmorfiguren ordentlich leid thaten; auch ließ ſich zuweilen ein leichter Schnee in den Alleen ſehen, und das iſt durchaus keine Witterung für die ſchönen Spanierin⸗ nen. Es iſt überhaupt eigenthümlich, wie ein für unſer Klima ſehr gelindes Froſtwetter die ganze Phyſtognomie von Madrid ändert. Da ſind die Straßen mit einemmal leer, es iſt, als habe der Wind die Menſchen weggefegt, und was noch von ihnen zu ſehen iſt, eilt haſtig vorüber, feſt in den Mantel gewickelt, ein dickes, wollenes Tuch oder ein Pelzkragen verwahrt Mund und Naſe. Alsdann liegen die Straßen öde, und vor allen Dingen könnte man glauben, Madrid habe gar keine Damen mehr. Nir⸗ gend die Spur einer Mantille. Kaum aber zertheilen ſich die Wolken am Himmel, hört der Wind auf, bricht die Sonne hervor, trocknet das Pflaſter und erwärmt die Luft angenehm, ſo ſcheinen die Menſchen förmlich aus dem Boden hervorzuwachſen, und es iſt, als habe Jeder dem Andern ein Rendezvous gegeben. Ein paarmal hatten wir einige warme Tage nacheinander, und der Prado belebte ſich während der Mittagszeit. Im Sommer ver⸗ ſammelt ſich hier die ſchöne Welt bei Sonnenuntergang, um bis ein, zwei Uhr in der Nacht plaudernd und ſingend auf und abzu⸗ ziehen. Jetzt aber lag der Prado meiſtens ziemlich leer und öde,

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