Teil eines Werkes 
2. Bd. (1855)
Entstehung
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Madrid.

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Holz und verſengten Knochen gar zu heftig emporqualmte, denn auf der Plaza mayor wurden neben den Stiergefechten hauptſäch⸗ lich die zahlreichen Auto da Fe's abgehalten, welche mit ihren gräß⸗ lichen Flammen Philipps Regierungszeit ſo ſchauerlich beleuchteten. Unter der königlichen Loge bemerkt man noch heute die alte Uhr, welche den Anfang dieſer Schauſpiele zeigte, und die kleine Glocke, welche jetzt ſo heiſer anſchlägt, ward wohl ſchaudernd vernommen von Hunderten der Unglücklichen, die hier verbrannt wurden.

Das Straßenleben von Madrid iſt wohl nur mit dem von Neapel zu vergleichen. Paris in ſeinen beſuchteſten Straßen zeigt nicht einmal ſo ſeine Bevölkerung, und Piccadilly und der Strand in London haben eine ganz andere Art von Bewegung. Dort ſchiebt ſich auch eine endloſe Menſchenmenge an einander vorbei, aber jeder rennt ernſt und geſchäftig ſeiner Wege, dennZeit iſt Geld. Man hat zu thun, man ſtrebt vorwärts einem gewiſſen Ziel zu, man grüßt flüchtig einen Bekannten, wobei man ſich ohne Aufenthalt eilig durch die Menge windet. Hier in Madrid da⸗ gegen glaubt man ein ganzes Volk von glückſeligen Flaneurs zu ſehen; keiner ſcheint was rechtes zu thun zu haben, und alles iſt, ſo glaubt man, auf der Straße, um friſche Luft zu ſchöpfen, zu ſehen, geſehen zu werden, die ausgeſtellten Waaren zu betrachten, oder mit guten Freunden eine halbe Stunde zu verplaudern. Wenn der Spanier auch wirklich in einem andern Stadttheil Geſchäfte hat, ſo iſt er darum doch nie eilig, er tritt zu ſeinem Haus hin⸗ aus, er beſchaut ſich das Wetter, wirft gravitätiſch ſeinen Mantel⸗ kragen über die linke Schulter, und da er andere Leute rauchen ſieht, ſo macht er ſich ebenfalls eine Papiercigarre zurecht und ſetzt ſich erſt langſam in Marſch, nachdem ſie angezündet iſt.

Schon öfter erwähnte ich, daß, obgleich der Spanier ſehr heißes Blut hat, er höchſt ſelten bei Wortwechſeln aus ſeiner vor⸗ nehmen Gelaſſenheit herauskommt. Wohl ſieht man hie und da eine Gruppe, die heftig geſticulirend zuſammenſpricht, doch ver⸗ nimmt man kein unſchönes Wort, wenn ſich die Köpfe nach und nach erhitzen, ſelbſt nicht einmal bei den unterſten Volksklaſſen,

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